Ruhr-Athleten kämpfen bei Winterspielen in Südkorea um olympische Medaillen

Zu den Olympischen Winterspielen 2018 im südkoreanischen PyeongChang fahren insgesamt 154 deutsche Athletinnen und Athleten – acht von ihnen kommen aus der Sportmetropole Ruhr. Sie gehen bei den Wettkämpfen vom 9. bis zum 25. Februar in fünf von 15 olympischen Sportarten an den Start.

Eiskunstläuferin Nicole Schott aus Essen präsentiert ihre Kür erstmals bei Olympia. Foto: Ludwig Welnicki
Eiskunstläuferin Nicole Schott aus Essen präsentiert ihre Kür erstmals bei Olympia. Foto: Ludwig Welnicki

Nicole Schott auf olympischem Eis

Zwei der Olympia-Teilnehmer aus dem Ruhrgebiet treten nach wie vor für hiesige Vereine an, obwohl sie vorwiegend in Wintersportregionen trainieren. Der Skirennläufer Andreas Sander ist Mitglied der Skigemeinschaft Ennepetal 1939, die Eiskunstläuferin Nicole Schott startet für den Essener Jugend-Eiskunstlauf Verein.
Ihren großen Traum von Olympia hat die Essenerin Nicole Schott sich bereits mit 21 Jahren erfüllt. In der Gangneung Ice Arena peilt die dreifache Deutsche Meisterin bei ihrer olympischen Premiere in der Einzelkonkurrenz einen Platz unter den Top 20 der Welt an. Außerdem geht sie auch noch im Teamwettbewerb aufs Eis. Als Dreijährige nahm ihr Vater, ein ehemaliger Profi-Eishockeyspieler, Nicole Schott mit in die Eissporthalle Essen-West, wo sie sich erstmals auf Kufen fortbewegte. Mit gerade einmal 15 Jahren gewann sie dann bei den Deutschen Eiskunstlauf-Meisterschaften 2012 überraschend ihren ersten DM-Titel. Zwei Jahre später zog sie von Essen nach Oberstdorf, wo die Sportsoldatin am Bundesstützpunkt neben dem Eislaufen auch Ballett, Tanzen, Athletik und Ausdauer trainiert. 2015 und 2017 wiederholte Nicole Schott, die regelmäßig bei ihrem Heimatverein EJE in Essen vorbeischaut, ihren DM-Erfolg. Bei den Europameisterschaften 2015 belegte sie den neunten Platz. Auf Rang zehn landete sie sowohl bei der EM 2017 als auch bei den kontinentalen Titelkämpfen 2018 in Moskau, wo die zweifache WM-Teilnehmerin kurz vor den Olympischen Spielen nach einem verpatzten Kurzprogramm eine starke Kür präsentierte.

Skirennläufer Andreas Sander von der SG Ennepetal raste zur erfolgreichen Olympia-Qualifikation. Foto: andreassander.com
Andreas Sander von der SG Ennepetal raste zur erfolgreichen Olympia-Qualifikation. Fotos: andreassander.com

Andreas Sander auf olympischer Piste

Der gebürtige Schwelmer Andreas Sander von der SG Ennepetal stand bereits im Alter von zwei Jahren zum ersten Mal auf Skiern – sowohl im heimischen „Ski-El Dorado“, der Teufelswiese in Ennepetal, als auch im Skiurlaub mit seinen Eltern in den Alpen. Im Jahr 2004 wurde er als erster Westfale Deutscher Schülermeister. Daraufhin zog er als 15-Jähriger um ins Ski-Gymnasium nach Berchtesgaden. 2006 wurde das Ausnahmetalent vierfacher Deutscher Jugendmeister. Nach einem weiteren Umzug nach Oberstdorf gewann Andi Sander 2008 bei den Junioren-Weltmeisterschaften als erster deutscher Skisportler den WM-Titel im Super G. Im Erwachsenenbereich folgten bislang insgesamt sieben deutsche Meistertitel sowie ein siebter Platz im Super G und ein achter Rang in der Abfahrt bei den Weltmeisterschaften 2017 in St. Moritz. Das beste Weltcupergebnis erzielte der Speedspezialist mit Platz fünf 2016 im Super G in Gröden. Im Januar dieses Jahres belegte der 28-jährige Sportsoldat auf der berühmt-berüchtigten Streif in Kitzbühel Rang sechs in der Abfahrt und ist somit bestens für sein Olympia-Debüt in den Super G- und Abfahrtsrennen im Jeongseon Alpine Centre gerüstet.

Verteidiger Christian Ehrhoff aus Moers will bei Olympia Tore gegen das deutsche Eishockey-Nationalteam verhindern. Foto: CityPress
Verteidiger Christian Ehrhoff aus Moers will bei Olympia Tore gegen das deutsche Eishockey-Nationalteam verhindern. Foto: CityPress

Eishockey-Routinier trifft Snowboard-Talent

Bereits zum vierten Mal nimmt der Eishockey-Nationalspieler Christian Ehrhoff aus Moers an Olympischen Spielen teil. Seine beste Platzierung erreichte der 35-jährige Routinier von den Kölner Haien in Salt Lake City 2002, als er mit der deutschen Nationalmannschaft Fünfter wurde. Bei den Spielen in Turin 2006 gelang dem offensiv ausgerichteten Verteidiger sein bislang einziger olympischer Treffer. In Vancouver 2010 stand der schuss- und laufstarke Profi ebenfalls im deutschen Olympia-Aufgebot. Sein bestes internationales Resultat erzielte Christian Ehrhoff, der zu Beginn seiner Karriere auch für den EV Duisburg spielte und 2003 Deutscher Meister mit den Krefeld Pinguinen wurde, bei den Heim-Weltmeisterschaften 2010, als Deutschland das Halbfinale erreichte und am Ende Rang vier belegte. Seinen größten Vereinserfolg feierte der 862-fache NHL-Spieler, der in Nordamerika für sechs Clubs im Einsatz war, im Jahr 2011 mit dem Erreichen des Stanley Cup-Finales, das er mit den Vancouver Canucks knapp mit 3:4 gegen die Boston Bruins verlor. Christian Ehrhoff war einer von fünf Fahnenträger-Kandidaten des Deutschen Olympischen Sportbundes für die Eröffnungsfeier im Olympiastadion von PyeongChang. Bei der Abstimmung von Fans und Olympioniken musste er allerdings Eric Frenzel den Vortritt lassen und landete hinter dem Nordischen Kombinierer und der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein auf Rang drei.

Zu den Youngstern in der deutschen Mannschaft gehört die Snowboarderin Carolin Langenhorst, die kurz vor der Olympia-Premiere ihren 22. Geburtstag gefeiert hat. Die Sportsoldatin vom WSV Bischofswiesen, die in Hamm geboren wurde, geht im Phoenix Snow Park im Parallel-Riesenslalom an den Start. In dieser Disziplin gewann sie bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2016 die Bronze- und beim Europäischen Olympischen Winter-Jugendfestival 2013 die Silbermedaille. Ihr bislang größter Erfolg bei den Erwachsenen gelang Carolin Langenhorst 2017 mit ihrer ersten Podestplatzierung im Weltcup, als sie im Parallel-Riesenslalom unerwartet Zweite wurde.

Das Bob-Duo Annika Drazek aus Gladbeck (r.) und Anna Köhler aus Dortmund (l.) freut sich sichtlich auf Olympia 2018. Foto: BSC Winterberg
Das Bob-Duo Annika Drazek aus Gladbeck (r.) und Anna Köhler aus Dortmund (l.) freut sich sichtlich auf Olympia 2018. Foto: BSC Winterberg

Bob-Quartett erstmals im olympischen Eiskanal

Gleich vier Olympia-Starter des Bob- und Schlittensportclubs Sauerland Winterberg kommen aus dem Ruhrgebiet. Angeführt wird das BSC-Aufgebot von der Gladbeckerin Annika Drazek. Die NRW-Sportlerin des Jahres 2016 ist Anschieberin im Zweierbob und geht in Südkorea als Team Deutschland I in den Eiskanal des Olympic Sliding Centre. Die 22-jährige Bundespolizistin, die zehn Jahre lang als Sprinterin in der Leichtathletik erfolgreich war, wechselte erst vor drei Jahren die Sportart und ist trotzdem schon Weltmeisterin und dreifache Europameisterin geworden. Das Zweierbob-Team Deutschland III bilden die gebürtige Dortmunderin Erline Nolte als Anschieberin und die Pilotin Anna Köhler aus dem Odenwald, die jetzt in Dortmund wohnt. Die 28-jährige Erline Nolte wurde 2014 Junioren-Weltmeisterin und belegte ein Jahr später bei der WM der Erwachsenen Rang vier, während Anna Köhler (24) im Vorjahr bei der Junioren-WM den Vizetitel holte und bei den Europameisterschaften der Erwachsenen auf den dritten Platz fuhr. Das BSC-Quartett aus der Metropole Ruhr komplettiert Christopher Weber (26), der ebenfalls in Dortmund geboren wurde. Der Anschieber von Pilot Johannes Lochner ist sowohl für den Zweier- als auch für den Viererbob nominiert, mit dem er in dieser Saison schon Gesamtweltcupsieger wurde. Alle vier Bobfahrer fiebern ihrem Olympia-Debüt entgegen.

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DOSB-News

PyeongChang 2018 (englisch)

Olympia-Pfarrer aus Gevelsberg

Bei den Olympischen Winterspielen in PyeongChang ist auch der Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Gevelsberg im Einsatz. Thomas Weber ist seit den Spielen in Turin 2006 der Olympia-Pfarrer der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und somit in Südkorea zum siebten Mal in Folge Seelsorger für die deutschen Athletinnen und Athleten. Neben Gesprächen über Themen wie Glaube, Schicksalsschläge, Sieg und Niederlage oder auch Doping hält der 57-Jährige außerdem Gottesdienste im Deutschen Haus.