Kultur Metropole Ruhr 2016: Die Region zeigt hochkarätige Kunst-Schauen

Eine vitale Kunstlandschaft präsentiert spannende Ausstellungen mit klassischer Moderne, Fotografie und Gegenwartskunst. Die internationale Kunstszene schätzt das Potenzial der Region, das Angebot in Galerien, Kunstvereinen und Museen ist beeindruckend vielschichtig. 

Chen Ruo Bing. Foto: Katalog

Der Maler Chen Ruo Bing

Die in chinesischen Sammlerkreisen sehr geschätzte abstrakte Farbmalerei Chen Ruo Bings stellt eine herausragende zeitgenössische Position dar, in der östliche Tradition und westliche Gegenwartskunst zu einer Einheit verschmelzen. In eine Gelehrten- und Künstlerfamilie hineingeboren, erhält Chen Ruo Bing trotz oder gerade wegen der Kulturrevolution schon als Kind Unterricht in chinesischer Tuschmalerei, Kalligraphie, Philosophie und Poesie. Um den Kontext und die mögliche kulturübergreifende Rezeption seiner Kunst erfahrbar werden zu lassen, werden in der Ausstellung neben den Gemälden Chen Ruo Bings Werke chinesischer Klassiker und seiner westlichen Wegbereiter gezeigt. 30. Juli bis 23. Oktober 2016
Kunstmuseum Bochum

Rolf-Gunter Dienst, 300 Töne auf 100 Quadrate, 2011, Courtesy Studio Dienst, Foto: Achim Kleuker, Berlin

Rolf-Gunter Dienst. Mein Gedicht heisst Farbe

Der Maler Rolf-Gunter Dienst ist bekannt für seine „geschriebene Malerei“, für die er Farbe mit skriptiven Elementen verbindet, angeregt durch Elemente aus der Kunst, der Literatur und der Musik. Das MKM widmet dem Künstler, der auch als Autor und Kunstkritiker tätig war, eine umfangreiche Retrospektive. Ausgehend von seinem vom Informel geprägten Frühwerk über seine ersten Versuche mit dem sogenannten »Kürzel«, welches zum Ordnungsprinzip seiner Bilder wird, bis hin zu aktuellen Arbeiten, in denen er die Binnenstruktur seiner Bilder und die Entfaltung der Farbe immer weiterführt, wird die Entwicklung im Werk von Rolf-Gunter Dienst nachgezeichnet. 1. Juli bis 18. September 2016
MKM Museum Küppersmühle

Hubert Kiecol, Träger dunkel 2012, Beton, Holz © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Hubert Kiecol. Skulpturen

Hubert Kiecols Skulpturen lassen sich als ein Echo von Architektur beschreiben. Aus Glas, Beton und Stahl entstehen Typen von Häusern, Giebel- und Treppenformen. Sie werden zu bildhaften Zeichen, die trotz der anonymen Materialien fein gefügt sind und auf unvergleichliche Weise eine Atmosphäre entstehen lassen. Obwohl die Form – das Kunstwerk in seiner Materialität – sich mit dem Betrachter im selben physischen Raum befindet, eröffnet sie doch in ihrer labilen Maßstäblichkeit und ihrer Verweigerung jeglicher Funktionalität einen Vorstellungsraum, der frei ist von empirischen Bedingungen. Bis zum 21. August 2016
Josef Albers Museum Quadrat Bottrop

Anton Stankowski, Neun Phasen, 9 Bilder, 1976, 40 x 40 cm © Stankowski-Stiftung

Anton Stankowski. Malerei

Der Sammlungsbestand des Kunstmuseums Gelsenkirchen verfügt über eine Vielzahl von Arbeiten des gebürtigen Gelsenkircheners Anton Stankowski (1906 – 1998). Insbesondere das grafische Werk des Künstlers und Grafikdesigners wurde in wechselnden Konstellationen immer wieder gezeigt. Großzügige Leihgaben der Stankowski-Stiftung in Stuttgart ermöglichen eine Einzelschau mit dem Fokus auf der Malerei des Künstlers. Bis zum 7. August 2016
Kunstmuseum Gelsenkirchen

Jeppe Hein, Yellow Mirror Balloons, 2015, Foto: Studio Jeppe Hein

Sculpture 21st: Jeppe Hein

Der dänische Künstler Jeppe Hein (*1974) gilt als Pionier eines neuen, spielerischen Begriffs zeitgenössischer Skulptur. Die große Glashalle des Museums scheint wie geschaffen für sein Werk, in dem Inneres und Äußeres, körperliche und mentale Zustände Verbindungen miteinander eingehen. Jeppe Heins raumgreifenden Arbeiten beziehen die Besucher in besonderer Weise mit ein: Interaktionen, Schwingungen und Spiegelungen bieten Raum für Resonanzen und im übertragenen Sinn für Erlebnisse, die soziale Situationen erst entstehen lassen. 9. Juni bis 23. Oktober 2016
Lehmbruck-Museum

Regina Relang, Gisela Ebel mit Schmetterlingsbrille, 1950 © Münchner Stadtmuseum Sammlung Fotografie Archiv Relang

Fotografie: Regina Relang in Oberhausen

In ihren Fotografien, die treffend als „Schaufenster in Bewegung“ bezeichnet wurden, kombiniert Regina Relang auf eigenwillige und ungewöhnliche Art Mode mit Alltagssituationen. Die Ruinen des zerstörten Münchens dienen ihr dabei ebenso als Kulisse wie das bunte und rege städtische Treiben internationaler Modemetropolen. Mit ihrem eigenen fotografischen Stil überwindet sie die Grenzen zwischen Mode- und Reportagefotografie. Sie bettet die neuesten Kollektionen in einen alltäglichen Kontext ein oder inszeniert ihre Models als Starmannequins ganz im Sinne der glamourösen Filmwelt. In den 1960er Jahren ändert sich ihr fotografischer Blick und sie fotografiert zunehmend im Studio. Bis 18. September 2016
LudwigGalerie Schloss Oberhausen

Fabrizio Plessi – Digital Wall. Foto: Kunsthalle Recklinghausen

Fabrizio Plessi in Recklinghausen

Die Elemente Feuer und Wasser stehen im Mittelpunkt der von Fabrizio Plessi bespielten Kunstausstellung der Ruhrfestspiele in der Kunsthalle Recklinghausen sowie in seinem für das Foyer des Ruhrfestspielhauses vorgesehenen Videoturm, dessen Bildchoreographie ununterbrochen Feuersäulen auflodern und Wassermassen stürzen lässt. 
Bis 7. August 16
Kunsthalle Recklinghausen

Gartenskulptur u. Postkarte (Essen), 2005–2006
© VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Foto: Ivo Faber / VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Siebdrucke und Plastik: Katharina Fritsch

In einer zwischen 2005 und 2007 entstandenen Serie thematisiert Katharina Fritsch ihren Geburtsort Essen. Erstmals sind diese wichtigen Arbeiten nun in Essen zu sehen. Fritsch zeigt ihre beeindruckenden Siebdrucke mit Plastiken im Museum Folkwang, ergänzt durch eine Präsentation in der Villa Hügel. Damit ist die vollständige Serie in Essen ausgestellt. Bis 30. Oktober 2016
Museum Folkwang

Museum unter Tage. Foto: Situation Kunst

Museum unter Tage ist eröffnet

Das Museum unter Tage (MuT) ist eröffnet. Nach nur einjähriger Bauzeit wurde das abschließende Erweiterungsgebäude von Situation Kunst in Bochum-Weitmar pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum der Ruhr-Universität Bochum fertiggestellt. Die unterirdischen Ausstellungsräume bieten auf einer Fläche von über 1.350 qm ausreichend Platz für die Dauerausstellung "Weltsichten – Landschaft in der Kunst seit sechs Jahrhunderten" sowie für attraktive Wechselausstellungen. "Weltsichten" umfasst etwa 350 überwiegend bedeutende Werke der Landschaftskunst seit dem 15. Jahrhundert, vom klassischen Ölgemälde bis zur raumfüllenden Video-Sound-Installation. Bis 23. Oktober 2016
Situation Kunst

Und noch mehr Ausstellungen:

Wunder der Natur

Der Ausstellungs-Höhepunkt in diesem Jahr: "Wunder der Natur" im Gasometer soll die Erde selbst sein. Sie wird als 20 Meter große Kugel im 100 Meter hohen Luftraum zu sehen sein. Neben dieser Installation zeigen großformatige Fotografien und Filmausschnitte ungewöhnliche Fähigkeiten und Strategien von Lebewesen im Kampf ums Dasein. Der Schwerpunkt der Ausstellung soll somit die Intelligenz und Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt widerspiegeln.
Wie die Erdatmosphäre im Wechsel von Tag und Nacht und während der verschiedenen Jahreszeiten aussieht, können die Besucher anhand der Erdkugel sehen. Bewegte, hoch aufgelöste Satellitenbilder werden dabei detailgenau auf die Kugel projiziert. 11.3. bis 30.12.16

Rock und Pop im Pott

Sechs Jahrzehnte Musikgeschichte des Ruhrgebiets stehen 2016 auf dem Programm des Ruhr Museums. Den Anfang macht das Jahr 1956 mit seinen Jugendkrawallen und Protesten in Dortmund aufgrund des Films „Außer Rand und Band“ mit Bill Haley, dem König des Rock ’n’ Roll. 
Welche weiteren Musikhits und Stars bis heute für Tumulte oder kollektive Hysterie sorgten, verrät die Ausstellung um Beats und Breaks mit Platten, Postern, Instrumenten, Bühnenoutfits und vielem mehr, was Musik besonders macht. Die Besucher erwartet eine aufregende Reise durch die Musikszene des Reviers und ihrer Genres: vom Beat der 1960er über Kraut-, Deutsch- und Folkrock, Hard & Heavy und Punk, die Neue Deutsche Welle, Hip Hop, Techno bis hin zur Weltmusik.  4.5.16 bis 28.2.17