Kultur Metropole Ruhr 2017: Die Region zeigt hochkarätige Kunst-Schauen

Eine vitale Kunstlandschaft präsentiert spannende Ausstellungen mit klassischer Moderne, Fotografie und Gegenwartskunst. Die internationale Kunstszene schätzt das Potenzial der Region, das Angebot in Galerien, Kunstvereinen und Museen ist beeindruckend vielschichtig. 

Kunst und Kohle

Wenn im Jahre 2018 die Steinkohleförderung in Deutschland ausläuft, endet damit mehr als ein bedeutender Industriezweig: Das Kapitel einer über 150 Jahre andauernden Geschichte, die insbesondere das Gesicht des Ruhrgebiets, das Selbstverständnis seiner Bewohner und die Entstehung seiner einmaligen Kunst- und Kulturlandschaft geprägt hat, schließt. Die RuhrKunstMuseen widmen sich mit einem gemeinsamen Ausstellungsprojekt diesem bedeutsamen Einschnitt. Sie werfen damit nicht nur die Frage nach der kulturellen Dimension dieses Ereignisses auf, sondern reflektieren mitunter auch die mit der Industrialisierung der Region so eng verwobenen Entstehungsgeschichten ihrer Häuser.

17 RuhrKunstMuseen nehmen den Kohleausstieg zum Anlass für das größte städteübergreifende Ausstellungsprojekt, das je zu diesem Thema umgesetzt wurde. In 13 Städten werden von Mai bis September 2018 zeitgleich über die gesamte Region hinweg künstlerische Positionen gezeigt, die sich auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Thema „Kohle“ auseinandersetzen.

Info: Ruhrkunstmuseen

Rebecca Horn, In unendlicher Liebe umschlungen, 2017, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Dejan Saric

Rebecca Horn - Ausstellung der Wilhelm-Lehmbruck-Preisträgerin 2017

Die Ausstellung zeigt erstmals die neuesten raumgreifenden Installationen der Künstlerin, die Hauchkörper: Überlebensgroße, spitze Stäbe aus Messing bewegen sich in präzise komponierten Choreographien aufeinander zu und voneinander weg. Die unendlich scheinende Bedächtigkeit ihrer Bewegungen wirkt meditativ: Sie verlangsamt uns und führt zur Versenkung in unser Inneres. Zyklische Bewegungen prägen viele der Werke Rebecca Horns von Performances der 1970er Jahre über ihre Spielfilme der 1980er bis hin zu aktuellen kinetischen und skulpturalen Werken.

Im Zentrum steht der Mensch und seine Seele, der Mensch auch mit seinen dunklen Seiten, mit seinen Apparaturen, die er sich selbst geschaffen hat, der Mensch mit seiner Fähigkeit, seine eigenen Unzulänglichkeiten durch Schönheit zu überwinden. Die Werke Rebecca Horns nehmen uns unmittelbar gefangen, sie fesseln unsere Aufmerksamkeit und verankern sich in unserem Gedächtnis. Bewegliche Skulpturen bekommen ein Eigenleben und führen uns in Räume des Unbewussten jenseits der Alltagswelt. Bis 2. April 2018
LehmbruckMuseum

Bernd Koberling: Gezeiten II, 2002. Privatsammlung. VG Bild-Kunst Bonn, 2017.
Foto: Jochen Littkemann

Bernd Koberling. Werke 1963 – 2017

Das MKM richtet dem Maler, der im kommenden Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, die bislang umfangreichste Retrospektive aus. Zu sehen sind 85 Arbeiten aus sechs Jahrzehnten – die Summe eines Malerlebens. In neun Räumen/Kapiteln wird Koberlings Werk präsentiert, beginnend mit den sogenannten „Überspannungen“ der 1960er Jahre, die ihn bekannt gemacht haben, über die expressiven Gemälde aus der Zeit der „Neuen Wilden“ (1970er/80er) bis in die unmittelbare Gegenwart, in der sich der Künstler noch einmal ganz neu erfindet. 17. November 2017 bis 28. Januar 2018
MKM Museum Küppersmühle

Bernd Damke, Edition Merian II, 1973, Siebdruck, 99 x 155 cm, Märkisches Museum Witten © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Konkrete Kunst in Witten

Die Ausstellung richtet einen Blick auf aktuelle Positionen der Konkreten Kunst und setzt sie in Beziehung zu Künstlern der Nachkriegszeit, die diese Kunstrichtung maßgeblich geprägt haben. Im Zusammenspiel zwischen Malerei, Grafik, Plastik und Rauminstallation werden die Besonderheiten und auch die Gemeinsamkeiten der geistigen Haltung des Konkreten untersucht. Eingeladene zeitgenössische Künstler wie Harald Kahl (Witten), Alf Schuler (Kassel), Susanne Stähli (Witten) und Günter Stangelmayer (Kassel) setzen ihre Arbeiten in Bezug zu Beständen des Museums. Einen weiteren wichtigen Bezugsrahmen bilden die plastischen „Konstellationen“ von Ernst Hermanns (1914-2000), einem der wichtigsten Vertreter der konkreten Plastik in Deutschland. Weiterhin werden Arbeiten aus der Sammlung des Museums von Bernd Damke, Rupprecht Geiger, A.D. Trantenroth und Rudolf Vombek gezeigt. 16. September 2017 bis 14. Januar 2018
Märkisches Museum Witten

Peter Brüning, 91-62. Foto: Katalog

Peter Brüning im Emil Schumacher Museum Hagen

Mitte der 1950er-Jahre trat Peter Brüning (1929-1970)  in den Kreis der aufstrebenden Maler im Nachkriegsdeutschland. Er war Gründungsmitglied der Gruppe 53, dem rheinischen Pendant zum jungen westen, und einer der herausragenden Repräsentanten der lyrischen Abstraktion. Die Ausstellung hat ihren Schwerpunkt auf dem Informel und bietet darüber hinaus erstmals nach einem Jahrzehnt die Chance, das facettenreiche Werk Brünings in einer Retrospektive neu zu entdecken. 10. September 2017 bis 21. Januar 2018
Emil Schumacher Museum

Alexander Kluge (Anm.: Kluge lesend), 2017
Filmstill, © Kairos Film

Alexander Kluge. Pluriversum in Essen

Die Ausstellung Pluriversum, die erste große Museumsausstellung des Filmemachers, überträgt Kluges Werk erstmals umfassend in den Raum. Präsentiert werden seine virtuosen filmischen Bildmontagen zusammen mit Objekten, darunter eine Fotografie von Thomas Demand und Glasplatten von Kerstin Brätsch. In sechs multimedialen Räumen wird der Kern von Kluges Werk sichtbar. Darin gewährt Kluge Einblicke in sein umfangreiches, zwischen 1985 und 2007 entstandenes Archiv kurzer Filmsequenzen, aus denen er Material für neue Filme schöpft. 15. September 2017 bis 15. Januar 2018
Museum Folkwang

© Mordillo Foundation, all rights reserved 2007


Mordillo im Schloss Oberhausen

Wer kennt sie nicht, die wortlosen Knollennasen, die mit Mimik, Gestik und Interaktion mit ihrem Umfeld so viel zu erzählen wissen. Guillermo Mordillo, 1932 in Buenos Aires geboren, setzt seine kugeligen Figuren seit Jahrzehnten pointiert ins Bild und fächert die Themen dabei weit auf: Menschen mit ihren kleinen Besonderheiten werden liebevoll in Szene gesetzt, die Liebe mit ihren Irrungen und Wirrungen, Tiere mit menschlichen Eigenschaften, Fußball und Golf sowie politische Motive finden Einzug in die oft surrealen Welten des Zeichners. Über 150 seiner selten gezeigten Originale sind in der Ausstellung vereint und geben Einblick in das Werk des international tätigen und mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Künstlers.  24. September 2017 bis Mitte Januar 2018
LudwigGalerie Schloss Oberhausen

Axel Hütte, San Miniato, Italien, 1990. © Axel Hütte

Fotografie von Axel Hütte in Bottrop

Die Ausstellung "Frühwerk" widmet sich dieser Zeit, den Jahren von 1978 bis 1995. Neben Portraits von Kollegen in Düsseldorf und Köln, die hier erstmals in größerem Umfang vorgestellt werden, interessierten Hütte damals insbesondere architektonische Formationen, wie Treppenhäuser und Flure in Mietshäusern der Nachkriegszeit, U-Bahnhöfe in Berlin, Gebäude und Plätze in London, Venedig und Paris; schließlich Landschaften in Italien, denen durch Fragmente von Architektur eine besondere Ordnungsdimension eingeschrieben wird. 24. September 2017 bis 7. Januar 2018
Josef Albers Museum Quadrat Bottrop

Joachim Brohm: Ruhr, Essen, 1981 (2007). © Joachim Brohm - VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Fotografie: "Umbrüche" in Situation Kunst

Wenn 2018 die letzte Zeche im Ruhrgebiet schließt, geht eine Epoche zu Ende, die mit der rasanten Industrialisierung im 19. Jahrhundert begann. Was bedeuten die spätestens seit dem Beginn des Strukturwandels in den 1960er Jahren spürbaren Erschütterungen für die Region? Die Fragen und Herausforderungen, die sich seit längerem schon für das Ruhrgebiet stellen, reichen in ihrer Bedeutung weit über die Region hinaus. Wahrscheinlich zog und zieht das Ruhrgebiet gerade deshalb immer wieder Künstlerinnen und Künstler insbesondere aus den Bereichen Fotografie und Film an, die den Wandel mit je eigenen Formulierungen ins Bild setzen. Fotografien von Rudolf Holtappel, Bernd und Hilla Becher, Joachim Brohm, Jitka Hanzlová sowie Filme von Marco Kugel und Richard Serra . 7. September 2017 bis 25. März 2018
Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum: Situation Kunst

Und noch mehr Ausstellungen:

Ruhr Kunst Museen

Eine Initiative zur Kulturhauptstadt RUHR.2010: 20 national und international arbeitende Kunstmuseen des Ruhrgebietes haben sich zu den RuhrKunstMuseen (RKM) zusammengeschlossen. Mit Ihren Sammlungen der Kunst vom 19. Jahrhundert über die Moderne bis zur Gegenwart bilden die RuhrKunstMuseen eine einzigartige Museumslandschaft.

Der Berg ruft

Berge existieren nicht ewig. Sie entstehen in Millionen von Jahren durch Kollisionen der Erdplatten und werden durch die Kräfte der Erosion wieder zerstört.  „Der Berg ruft“ heißt die kommende Ausstellung im Gasometer Oberhausen. Sie zeigt ab März 2018 die Vielfalt dieser außergewöhnlichen Welt und erzählt von der Faszination der Berge auf uns Menschen. Sie macht den ewigen Kreislauf des Gesteins nachvollziehbar und zeigt in einzigartigen Filmausschnitten und Fotos wie in Jahrmillionen in den gewaltigen Gebirgsmassiven der Erde einzigartige Lebenswelten mit ihrer ihnen eigenen Tier- und Pflanzenwelt entstanden sind. Die Ausstellung lässt ihre Besucher teilhaben an den legendären Erstbesteigungen der berühmtesten Gipfel der Erde, berichtet von großartigen Triumphen und dramatischen Niederlagen. Und sie erzählt von der jahrtausendealten Ehrerbietung, mit der Menschen den Bergen begegnen: Sie waren Orte religiöser Verehrung, der Zuflucht und Besinnung in Abgeschiedenheit, voller Mythen und Geheimnisse. 16. März - 30. Dezember 2018

Josef Stoffels. Steinkohlenzechen - Fotografien aus dem Ruhrgebiet

Im Mitelpunkt stehen ca. 160 Aufnahmen von 60 Zechen, die in den 1950er Jahren auf dem Höhepunkt des Bergbaus im Ruhrgebiet bzw. unmittelbar vor der Bergbaukrise entstanden. In den zehn seitlichen Kabinetten des Ausstellungsraumes werden zum einen die dem Bergbau verwandten Themen wie Lehrlingsausbildung, Sammellager für Bergleute, betriebliche Einrichtungen, Siedlungen und Bergmannskotten ausgestellt, die Stoffels ebenfalls fotografierte. Zum  Anderen sind Auftragsarbeiten für die Industrie, die Essener Messe und das Ruhrlandmuseum zu sehen. Als freier Fotograf dokumentierte er zudem das Stadtbild von Essen, vor allem in der unmittelbaren Nachkriegszeit mit der Stadt und dem Münster in Trümmern und unter britischer Besatzung. Die Ausstellung erschließt einen der wichtigsten fotografischen Bestände zum Bergbau und stellt auch mit persönlichen Portraits, Familienportraits, den Apparaten, mit denen Stoffels fotografiert hat, sowie den von ihm herausgegebenen Bildbänden einen der bedeutendsten Fotografen des Ruhrgebietes vor. 22. Januar bis 2. September 2018