Kultur Metropole Ruhr 2017: Die Region zeigt hochkarätige Kunst-Schauen

Eine vitale Kunstlandschaft präsentiert spannende Ausstellungen mit klassischer Moderne, Fotografie und Gegenwartskunst. Die internationale Kunstszene schätzt das Potenzial der Region, das Angebot in Galerien, Kunstvereinen und Museen ist beeindruckend vielschichtig. 

Karl Fred Dahmen: Terrestrische Intention II, 1958. Sammlung Ströher, Darmstadt. © VG Bild-Kunst, Bonn

Das Prinzip Landschaft: Karl Fred Dahmen

Karl Fred Dahmen ist der große Unbekannte unter den Pionieren der deutschen Nachkriegs-kunst. Der Maler und Objektkünstler, eine der prägenden Figuren des deutschen Informel, wäre 2017 einhundert Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass zeigen das MKM und das Leopold-Hoesch-Museum die bislang umfangreichste Retrospektive des Künstlers. Zu sehen sind Gemälde, Collagen, Objektkästen und Installationen, mit denen der Documenta-Teilnehmer Dahmen einen grundlegenden künstlerischen Neuanfang nach der Zäsur durch das Dritte Reich verfolgte. 22. September bis 05. November 2017
MKM Museum Küppersmühle

Bernd Damke, Edition Merian II, 1973, Siebdruck, 99 x 155 cm, Märkisches Museum Witten © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Konkrete Kunst in Witten

Die Ausstellung richtet einen Blick auf aktuelle Positionen der Konkreten Kunst und setzt sie in Beziehung zu Künstlern der Nachkriegszeit, die diese Kunstrichtung maßgeblich geprägt haben. Im Zusammenspiel zwischen Malerei, Grafik, Plastik und Rauminstallation werden die Besonderheiten und auch die Gemeinsamkeiten der geistigen Haltung des Konkreten untersucht. Eingeladene zeitgenössische Künstler wie Harald Kahl (Witten), Alf Schuler (Kassel), Susanne Stähli (Witten) und Günter Stangelmayer (Kassel) setzen ihre Arbeiten in Bezug zu Beständen des Museums. Einen weiteren wichtigen Bezugsrahmen bilden die plastischen „Konstellationen“ von Ernst Hermanns (1914-2000), einem der wichtigsten Vertreter der konkreten Plastik in Deutschland. Weiterhin werden Arbeiten aus der Sammlung des Museums von Bernd Damke, Rupprecht Geiger, A.D. Trantenroth und Rudolf Vombek gezeigt. 16. September 2017 bis 14. Januar 2018
Märkisches Museum Witten

Peter Brüning, 91-62. Foto: Katalog

Peter Brüning im Emil Schumacher Museum Hagen

Mitte der 1950er-Jahre trat Peter Brüning (1929-1970)  in den Kreis der aufstrebenden Maler im Nachkriegsdeutschland. Er war Gründungsmitglied der Gruppe 53, dem rheinischen Pendant zum jungen westen, und einer der herausragenden Repräsentanten der lyrischen Abstraktion. Die Ausstellung hat ihren Schwerpunkt auf dem Informel und bietet darüber hinaus erstmals nach einem Jahrzehnt die Chance, das facettenreiche Werk Brünings in einer Retrospektive neu zu entdecken. 10. September 2017 bis 21. Januar 2018
Emil Schumacher Museum

Alexander Kluge (Anm.: Kluge lesend), 2017
Filmstill, © Kairos Film

Alexander Kluge. Pluriversum in Essen

Die Ausstellung Pluriversum, die erste große Museumsausstellung des Filmemachers, überträgt Kluges Werk erstmals umfassend in den Raum. Präsentiert werden seine virtuosen filmischen Bildmontagen zusammen mit Objekten, darunter eine Fotografie von Thomas Demand und Glasplatten von Kerstin Brätsch. In sechs multimedialen Räumen wird der Kern von Kluges Werk sichtbar. Darin gewährt Kluge Einblicke in sein umfangreiches, zwischen 1985 und 2007 entstandenes Archiv kurzer Filmsequenzen, aus denen er Material für neue Filme schöpft. 15. September 2017 bis 15. Januar 2018
Museum Folkwang

© Mordillo Foundation, all rights reserved 2007


Mordillo im Schloss Oberhausen

Wer kennt sie nicht, die wortlosen Knollennasen, die mit Mimik, Gestik und Interaktion mit ihrem Umfeld so viel zu erzählen wissen. Guillermo Mordillo, 1932 in Buenos Aires geboren, setzt seine kugeligen Figuren seit Jahrzehnten pointiert ins Bild und fächert die Themen dabei weit auf: Menschen mit ihren kleinen Besonderheiten werden liebevoll in Szene gesetzt, die Liebe mit ihren Irrungen und Wirrungen, Tiere mit menschlichen Eigenschaften, Fußball und Golf sowie politische Motive finden Einzug in die oft surrealen Welten des Zeichners. Über 150 seiner selten gezeigten Originale sind in der Ausstellung vereint und geben Einblick in das Werk des international tätigen und mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Künstlers.  24. September 2017 bis Mitte Januar 2018
LudwigGalerie Schloss Oberhausen

Axel Hütte, San Miniato, Italien, 1990. © Axel Hütte

Fotografie von Axel Hütte in Bottrop

Die Ausstellung "Frühwerk" widmet sich dieser Zeit, den Jahren von 1978 bis 1995. Neben Portraits von Kollegen in Düsseldorf und Köln, die hier erstmals in größerem Umfang vorgestellt werden, interessierten Hütte damals insbesondere architektonische Formationen, wie Treppenhäuser und Flure in Mietshäusern der Nachkriegszeit, U-Bahnhöfe in Berlin, Gebäude und Plätze in London, Venedig und Paris; schließlich Landschaften in Italien, denen durch Fragmente von Architektur eine besondere Ordnungsdimension eingeschrieben wird. 24. September 2017 bis 7. Januar 2018
Josef Albers Museum Quadrat Bottrop

Joachim Brohm: Ruhr, Essen, 1981 (2007). © Joachim Brohm - VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Fotografie: "Umbrüche" in Situation Kunst

Wenn 2018 die letzte Zeche im Ruhrgebiet schließt, geht eine Epoche zu Ende, die mit der rasanten Industrialisierung im 19. Jahrhundert begann. Was bedeuten die spätestens seit dem Beginn des Strukturwandels in den 1960er Jahren spürbaren Erschütterungen für die Region? Die Fragen und Herausforderungen, die sich seit längerem schon für das Ruhrgebiet stellen, reichen in ihrer Bedeutung weit über die Region hinaus. Wahrscheinlich zog und zieht das Ruhrgebiet gerade deshalb immer wieder Künstlerinnen und Künstler insbesondere aus den Bereichen Fotografie und Film an, die den Wandel mit je eigenen Formulierungen ins Bild setzen. Fotografien von Rudolf Holtappel, Bernd und Hilla Becher, Joachim Brohm, Jitka Hanzlová sowie Filme von Marco Kugel und Richard Serra . 7. September 2017 bis 25. März 2018
Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum: Situation Kunst

Erwin Wurm, Fat Convertible, 2005, mixed media, Foto: Studio Erwin Wurm, © Erwin Wurm / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Erwin Wurm: Skulpturen, Wandarbeiten, Videos, Strickbilder u.a.

„Vor mir ist nichts sicher!“ sagt Erwin Wurm und hat es sich zur Aufgabe gesetzt, die Skulptur an ihre Grenzen zu führen – und darüber hinaus. Bestrickte Wände, „verfettete“ Skulpturen, Selbstportraits als Essiggurken oder die Inszenierung der Welt als surrealer Zustand: Wurm zelebriert Verwirrung als kreative Strategie. Überall kann eine hintergründige Überraschung lauern: „Es geht um die Schwierigkeit, das Leben zu meistern. Egal, ob mit einer Diät oder mit einer Philosophie.“ Bei ihm sind die Dinge nicht das, was sie scheinen. Objekte sind grundsätzlich wandelbar: „Ich finde spannend, was passiert, wenn man Alltagsgegenständen den Nutzwert entzieht, bekannte Formen neu interpretiert.“  Ausstellungsprojekt des Lehmbruck Museums und des MKM Museum Küppersmühle. Bis 29. Oktober 2017
LehmbruckMuseum

Und noch mehr Ausstellungen:

Ruhr Kunst Museen

Eine Initiative zur Kulturhauptstadt RUHR.2010: 20 national und international arbeitende Kunstmuseen des Ruhrgebietes haben sich zu den RuhrKunstMuseen (RKM) zusammengeschlossen. Mit Ihren Sammlungen der Kunst vom 19. Jahrhundert über die Moderne bis zur Gegenwart bilden die RuhrKunstMuseen eine einzigartige Museumslandschaft.

Wunder der Natur

Der Ausstellungs-Höhepunkt in diesem Jahr: "Wunder der Natur" im Gasometer soll die Erde selbst sein. Sie wird als 20 Meter große Kugel im 100 Meter hohen Luftraum zu sehen sein. Neben dieser Installation zeigen großformatige Fotografien und Filmausschnitte ungewöhnliche Fähigkeiten und Strategien von Lebewesen im Kampf ums Dasein. Der Schwerpunkt der Ausstellung soll somit die Intelligenz und Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt widerspiegeln.
Wie die Erdatmosphäre im Wechsel von Tag und Nacht und während der verschiedenen Jahreszeiten aussieht, können die Besucher anhand der Erdkugel sehen. Bewegte, hoch aufgelöste Satellitenbilder werden dabei detailgenau auf die Kugel projiziert. 11.3. bis 30.11.17

Der geteilte Himmel

Die Ausstellung nimmt das Reformationsjubiläum zum Anlass, mit bedeutenden kulturhistorischen Exponaten das Verhältnis und das Zusammenleben der unterschiedlichen Religionen und Konfessionen über Jahrhunderte bis in die Gegenwart darzustellen und im Sinne eines interreligiösen Diskurses auch unter aktuellen und zukunftsrelevanten Aspekten zu diskutieren. Zu diesem Zweck hat sich das Ruhr Museum mit dem Essener Forum Kreuzeskirche Essen und dem Martin Luther Forum Ruhr zusammengeschlossen, um im Gedenkjahr neben der Ausstellung ein breites Kultur- und Bildungsprogramm zu entwickeln.  3.4. bis 31.10.17