Kultur Metropole Ruhr 2017: Die Region zeigt hochkarätige Kunst-Schauen

Eine vitale Kunstlandschaft präsentiert spannende Ausstellungen mit klassischer Moderne, Fotografie und Gegenwartskunst. Die internationale Kunstszene schätzt das Potenzial der Region, das Angebot in Galerien, Kunstvereinen und Museen ist beeindruckend vielschichtig. 

Die Künstlergruppe „junger westen“ im Jahr 1960 zur Jurierung des Kunstpreises

Die Künstlergruppe "junger westen" in Recklinghausen

Die geplante Ausstellung präsentiert die „jungen westler“ mit größeren Werkzyklen, erweitert um jene Künstlerfreunde, die die Gruppe bis zu ihrer Auflösung in den frühen 1960er Jahren begleiteten, etwa HAP Grieshaber und Georg Meistermann. Vor allem will sie die Impuls gebende Stellung des „jungen westen“ in der deutschen Kunst nach 1945 dokumentieren. Fotos der damaligen Ausstellungen sowie zahlreiche Originaldokumente und Kommentare von Zeitzeugen, entwerfen ein lebendiges Bild der Künstlergruppe und des kulturellen Aufbruchs in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. 7. Mai bis 13. August 2017
Kunsthalle Recklinghausen

Maria Lassnig
Zwei Arten zu sein (Doppelselbstporträt), 2000.
Maria Lassnig Stiftung. © Maria Lassnig Stiftung

"Maria Lassnig" im Museum Folkwang

Maria Lassnig (1919 – 2014) ist eine der bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Generation. Ausgangspunkt und Gegenstand ihres malerischen und zeichnerischen Werkes ist der Körper: Wie lässt sich das eigene Körperbewusstsein darstellen? Diese Frage hat die erst spät gewürdigte österreichische Künstlerin zeitlebens beschäftigt. Die umfassende Retrospektive zeigt das Spektrum ihres Schaffens anhand von mehr als 40 Gemälden und ausgewählten Filmen. 10. März bis 21. Mai 2017
Museum Folkwang

Claus Goedicke, Seife, 2008 © Claus Goedicke

Claus Goedicke. Dinge

Der Fotograf und Becher-Schüler Claus Goedicke interessiert sich in seiner Arbeit für die Wirklichkeit der Dinge. Es sind jene Dinge, die uns in unserem Alltag immer umgeben, die wir aber kaum um ihrer selbst wahrnehmen. Goedickes Blick aber entdeckt sie in ihrer eigenen geheimnisvollen Wirklichkeit.
In der letzten Zeit konzentriert sich sein Blick nun auf Dinge unseres Gebrauchs, die er aus ihrem Kontext befreit und vor unterschiedlichen Hintergründen fotografiert, die das einzelne Objekt in besonderer Weise zum Sprechen bringen. Frontal aufgenommen, beginnen diese Objekte, die im Gebrauch durch den Menschen zu ihrer Identität gefunden haben, ein Gespräch mit ihrer Umgebung, das genauso schweigsam wie vielsagend ist. 19. Februar bis 7. Mai 2017
Josef Albers Museum Quadrat Bottrop

Gustav Deppe, Komposition, 1953, Öl auf Leinwand, 15,5 x 22,5 cm, Märkisches Museum Witten

Junger Westen - zum 70. Jubiläum

Zum 70. Jubiläum der Künstlergruppe „junger westen“ widmet das Märkische Museum Witten als eines von mehreren RuhrKunstMuseen den Künstlern dieser Gruppe eine Ausstellung. Neben den sechs Künstlern der Kerngruppe – Gustav Deppe, Thomas Grochowiak, Ernst Hermanns, Emil Schumacher, Heinrich Siepmann, Hans Werdehausen – werden auch weniger bekannte Mitglieder des „jungen westens“ gezeigt. 18. Februar bis 20. August 2017
Märkisches Museum Witten

Glashalle Lehmbruck Museum, Foto: Dejan Saric

Danica Dakić - Skulptur

Was ist Skulptur? Angesichts der Debatte um Materialität und Immaterialität in der Bildhauerei scheint die Antwort auf diese Frage inzwischen gänzlich offen zu sein. Die Künstlerin Danica Dakić (*1962 in Sarajevo) fragt mit ihrem neuesten Projekt „MISSING SCULPTURE“ nach einer Skulptur der Zukunft.
In Zusammenarbeit mit dem Fotografen und Kameramann Egbert Trogemann  und dem Komponisten Bojan Vuletić entsteht eine dichte Klanginstallation, die gemeinsam mit den Besuchern die Glashalle des Museums selbst zur Skulptur werden lässt. Komplexe Soundcollagen aus zusammengewobenen Stimmen von Menschen verschiedener Altersstufen und Milieus aus Duisburg sowie von Künstlergästen ziehen die Besucher in den Bann. Bis 19. März 2017
LehmbruckMuseum

Don Eddi: Strumpfhosen, Handtaschen und Schuhe, 1974, Ludwig Forum für internationale Kunst © Don Eddy, Foto: Anne Gold, Aachen

Let’s buy it! Kunst und Einkauf

Kunst und Kaufen, zwei Dinge die eng zusammenhängen und doch weit auseinander zu liegen scheinen. An der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit tritt Albrecht Dürer als einer der ersten Kunst-Unternehmer auf. Die Moden des Kunstmarktes zeigen sich über die Jahrhunderte in Übermalungen oder Umdeutungen von Themen. Die Frage nach Original, Kopie und Fälschung stellt sich immer wieder. Das 20. Jahrhundert stellt dann alle Traditionen auf den Kopf. Marcel Duchamp erklärt Industrieware zur Kunst, Andy Warhol und die Vertreter der Pop Art nehmen Supermarktprodukte in ihre Bilder auf. Und auch das Verhalten von Menschen beim Einkauf wird nicht nur in Rudolf Holtappels Fotoserie Menschen im Warenhaus beobachtet. Wenn Gerhard Richter auf seinem Gemälde Mutter und Tochter Brigitte Bardot mit ihrer Mutter beim Shoppen zu zeigen scheint, verbindet sich hier das Thema des Einkaufens mit dem teuersten Maler des aktuellen Kunstmarktes. Bis 14. Mai 2017
LudwigGalerie Schloss Oberhausen

Lili ou Tony 1965. Courtesy Galerie GP & N Vallois, Paris, Foto: Aurélien Mole © 2016 Niki Charitable Art Foundation

Niki de Saint Phalle im Museum Ostwall

Unter dem Titel „Ich bin eine Kämpferin“ widmet sich die Ausstellung im Museum Ostwall im Dortunder U den verschiedenen Frauenbildern der international bekannten Künstlerin Niki de Saint Phalle (1930-2002). Bekannt wurde die franko-amerikanische Künstlerin in den 1960er Jahren durch ihre bunten Nanafiguren. Die Präsentation in Dortmund wirft nun einen fokussierten Blick auf die Künstlerin: Über 100 Werke Niki de Saint Phalles zeigen ihren künstlerischen Weg von den frühen Familienbildern über die Assemblagen und Schießbilder (Tirs) bis hin zu den sogenannten Nanas – in enger Beziehung zu ihrer Biografie. Bis 23. April 2017
Museum Ostwall

Philipp Goldbach, Stack (AGFA), 2016 © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Philipp Goldbach - Bilder von Bildern

Philipp Goldbach nutzt Bilder von Bildern als Material für seine künstlerische Arbeit. Kunsthistorische Bildarchive sind daher ein Ausgangspunkt für seine Installationen, denn im Zeitalter der Digitalisate sind historisch gewordene Dia-Archive beredte Zeugnisse einer zu Ende gegangenen Epoche. Anders als Henri Cartier-Bresson, der sich als „intruder“ („Eindringling“) beschrieb, um „entscheidende Momente“ der Wirklichkeit mit seiner Kamera festzuhalten, legt Philipp Goldbach in Anspielung auf dessen Haltung die Wirklichkeit von Medienarchiven offen und verwandelt sie in künstlerische Reflexionsbilder. Bis 23. April 2017
Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum: Campusmuseum

Hans Schmitz-Wiedenbrück, Familienbild, (vor) 1939, Öl auf Leinwand, ca. 160 x 200 cm, German Art Gallery, The Netherlands

"Artige Kunst" im MuT

Das Ausstellungsprojekt setzt sich in kritisch-analytischer Weise mit der Kunstpolitik im Nationalsozialismus auseinander, die für das Selbstbild des Regimes wesentlich war. Der Titel „Artige Kunst“ versteht sich als Gegenbegriff zur diffamierenden NS-Terminologie der „entarteten Kunst“. Gezeigt werden exemplarische Werke der offiziell geduldeten und geförderten Kunst der NS-Zeit, dazu in prägnanter Gegenüberstellung Werke von verfolgten und verfemten Künstlern, die ein differenziertes Gegenbild zur überwiegenden Einfältigkeit der systemkonformen Kunst entwerfen. Bis 9. April 2017
Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum: Situation Kunst

Und noch mehr Ausstellungen:

Wunder der Natur

Der Ausstellungs-Höhepunkt in diesem Jahr: "Wunder der Natur" im Gasometer soll die Erde selbst sein. Sie wird als 20 Meter große Kugel im 100 Meter hohen Luftraum zu sehen sein. Neben dieser Installation zeigen großformatige Fotografien und Filmausschnitte ungewöhnliche Fähigkeiten und Strategien von Lebewesen im Kampf ums Dasein. Der Schwerpunkt der Ausstellung soll somit die Intelligenz und Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt widerspiegeln.
Wie die Erdatmosphäre im Wechsel von Tag und Nacht und während der verschiedenen Jahreszeiten aussieht, können die Besucher anhand der Erdkugel sehen. Bewegte, hoch aufgelöste Satellitenbilder werden dabei detailgenau auf die Kugel projiziert. 11.3. bis 30.11.17

Der geteilte Himmel

Die Ausstellung nimmt das Reformationsjubiläum zum Anlass, mit bedeutenden kulturhistorischen Exponaten das Verhältnis und das Zusammenleben der unterschiedlichen Religionen und Konfessionen über Jahrhunderte bis in die Gegenwart darzustellen und im Sinne eines interreligiösen Diskurses auch unter aktuellen und zukunftsrelevanten Aspekten zu diskutieren. Zu diesem Zweck hat sich das Ruhr Museum mit dem Essener Forum Kreuzeskirche Essen und dem Martin Luther Forum Ruhr zusammengeschlossen, um im Gedenkjahr neben der Ausstellung ein breites Kultur- und Bildungsprogramm zu entwickeln.  3.4. bis 31.10.17