Kultur Metropole Ruhr 2017: Die Region zeigt hochkarätige Kunst-Schauen

Eine vitale Kunstlandschaft präsentiert spannende Ausstellungen mit klassischer Moderne, Fotografie und Gegenwartskunst. Die internationale Kunstszene schätzt das Potenzial der Region, das Angebot in Galerien, Kunstvereinen und Museen ist beeindruckend vielschichtig. 

Don Eddi: Strumpfhosen, Handtaschen und Schuhe, 1974, Ludwig Forum für internationale Kunst © Don Eddy, Foto: Anne Gold, Aachen

Let’s buy it! Kunst und Einkauf

Kunst und Kaufen, zwei Dinge die eng zusammenhängen und doch weit auseinander zu liegen scheinen. An der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit tritt Albrecht Dürer als einer der ersten Kunst-Unternehmer auf. Die Moden des Kunstmarktes zeigen sich über die Jahrhunderte in Übermalungen oder Umdeutungen von Themen. Die Frage nach Original, Kopie und Fälschung stellt sich immer wieder. Das 20. Jahrhundert stellt dann alle Traditionen auf den Kopf. Marcel Duchamp erklärt Industrieware zur Kunst, Andy Warhol und die Vertreter der Pop Art nehmen Supermarktprodukte in ihre Bilder auf. Und auch das Verhalten von Menschen beim Einkauf wird nicht nur in Rudolf Holtappels Fotoserie Menschen im Warenhaus beobachtet. Wenn Gerhard Richter auf seinem Gemälde Mutter und Tochter Brigitte Bardot mit ihrer Mutter beim Shoppen zu zeigen scheint, verbindet sich hier das Thema des Einkaufens mit dem teuersten Maler des aktuellen Kunstmarktes. 22. Januar bis 14. Mai 2017
LudwigGalerie Schloss Oberhausen

Lili ou Tony 1965. Courtesy Galerie GP & N Vallois, Paris, Foto: Aurélien Mole © 2016 Niki Charitable Art Foundation

Niki de Saint Phalle im Museum Ostwall

Unter dem Titel „Ich bin eine Kämpferin“ widmet sich die Ausstellung im Museum Ostwall im Dortunder U den verschiedenen Frauenbildern der international bekannten Künstlerin Niki de Saint Phalle (1930-2002). Bekannt wurde die franko-amerikanische Künstlerin in den 1960er Jahren durch ihre bunten Nanafiguren. Die Präsentation in Dortmund wirft nun einen fokussierten Blick auf die Künstlerin: Über 100 Werke Niki de Saint Phalles zeigen ihren künstlerischen Weg von den frühen Familienbildern über die Assemblagen und Schießbilder (Tirs) bis hin zu den sogenannten Nanas – in enger Beziehung zu ihrer Biografie. 10. Dezember 2016 bis 23. April 2017
Museum Ostwall

Uschi Blume a. d. Serie: Worauf wartest Du?, 1980. Museum Folkwang, Essen © Uschi Blume

"Das rebellische Bild" im Museum Folkwang

In einer städteübergreifenden Kooperation realisieren das C/O Berlin, das Sprengel Museum Hannover und das Museum Folkwang das gemeinsame Ausstellungsprojekt Werkstatt für Photographie 1976–1986. Das Museum Folkwang entdeckt unter dem Titel "Das rebellische Bild" in der eigenen Folkwang-Geschichte die Widerspiegelung des allgemeinen Aufbruchs jener Jahre. Die junge Essener Fotografie setzte sich mit Urbanität und Jugendkultur auseinander, entdeckte die Farbe als künstlerische Ausdrucksweise, stellte Fragen nach neuen Formen des Dokumentarischen, nach authentischen Bildern und Haltungen und setzte der objektivierenden Distanz der Düsseldorfer Schule einen forschenden, subjektiven Blick entgegen. 9. Dezember 2016 bis 19. Februar 2017
Museum Folkwang

Philipp Goldbach, Stack (AGFA), 2016 © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Philipp Goldbach - Bilder von Bildern

Philipp Goldbach nutzt Bilder von Bildern als Material für seine künstlerische Arbeit. Kunsthistorische Bildarchive sind daher ein Ausgangspunkt für seine Installationen, denn im Zeitalter der Digitalisate sind historisch gewordene Dia-Archive beredte Zeugnisse einer zu Ende gegangenen Epoche. Anders als Henri Cartier-Bresson, der sich als „intruder“ („Eindringling“) beschrieb, um „entscheidende Momente“ der Wirklichkeit mit seiner Kamera festzuhalten, legt Philipp Goldbach in Anspielung auf dessen Haltung die Wirklichkeit von Medienarchiven offen und verwandelt sie in künstlerische Reflexionsbilder. 27. Oktober 2016 bis 23. April 2017
Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum: Campusmuseum

Hans Schmitz-Wiedenbrück, Familienbild, (vor) 1939, Öl auf Leinwand, ca. 160 x 200 cm, German Art Gallery, The Netherlands

"Artige Kunst" im MuT

Das Ausstellungsprojekt setzt sich in kritisch-analytischer Weise mit der Kunstpolitik im Nationalsozialismus auseinander, die für das Selbstbild des Regimes wesentlich war. Der Titel „Artige Kunst“ versteht sich als Gegenbegriff zur diffamierenden NS-Terminologie der „entarteten Kunst“. Gezeigt werden exemplarische Werke der offiziell geduldeten und geförderten Kunst der NS-Zeit, dazu in prägnanter Gegenüberstellung Werke von verfolgten und verfemten Künstlern, die ein differenziertes Gegenbild zur überwiegenden Einfältigkeit der systemkonformen Kunst entwerfen.
5. November 2016 bis 9. April 2017
Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum: Situation Kunst

Die Künstlergruppe „junger westen“ im Jahr 1960 zur Jurierung des Kunstpreises

Die Künstlergruppe "junger westen" in Recklinghausen

Die geplante Ausstellung präsentiert die „jungen westler“ mit größeren Werkzyklen, erweitert um jene Künstlerfreunde, die die Gruppe bis zu ihrer Auflösung in den frühen 1960er Jahren begleiteten, etwa HAP Grieshaber und Georg Meistermann. Vor allem will sie die Impuls gebende Stellung des „jungen westen“ in der deutschen Kunst nach 1945 dokumentieren. Fotos der damaligen Ausstellungen sowie zahlreiche Originaldokumente und Kommentare von Zeitzeugen, entwerfen ein lebendiges Bild der Künstlergruppe und des kulturellen Aufbruchs in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. 7. Mai bis 13. August 2017
Kunsthalle Recklinghausen

Franz Rudolf Knubel, Exercitien, 2012. © VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: Peter Stohrer

Franz Rudolf Knubel - Mit den Augen denken

Das Ausstellungsprojekt würdigt das konsequente Schaffen eines Künstlers, dessen herausragendes und vorausweisendes Werk eine ästhetische Grundlagenforschung an die Kunst der Moderne knüpft. Rudolf Knubel hat sich besonders auch um die Lehre verdient gemacht. Das Ausstellungsprojekt in Ahlen und Herne stellt die grundlegenden Leistungen Knubels erstmals umfassend vor, um ihre Bedeutung für die Kunst der Nachkriegszeit bis heute deutlich zu machen. 20. November 2016 bis 29. Januar 2017
Flottmann-Hallen Herne

Emilio Vedova: Compresenze 1982. Courtesy Fondazione Vedova. Foto: Vittorio Pavan

BASELITZ - VEDOVA

Das MKM Museum zeigt zwei prägende Künstlerpersönlichkeiten in einer gemeinsamen Ausstellung: Georg Baselitz, der international gefeierte deutsche Maler und Bildhauer, und Emilio Vedova, einer der wichtigsten Vertreter des europäischen Informel. Eine intensive persönliche Freundschaft und künstlerische Wertschätzung verband die beiden seit den 1960er-Jahren bis zum Tode Vedovas 2006. Auf der Biennale von Venedig im Folgejahr wurden beide Künstler erstmals gemeinsam präsentiert. Bis 29. Januar 2017
MKM Museum Küppersmühle

Und noch mehr Ausstellungen:

Wunder der Natur

Der Ausstellungs-Höhepunkt in diesem Jahr: "Wunder der Natur" im Gasometer soll die Erde selbst sein. Sie wird als 20 Meter große Kugel im 100 Meter hohen Luftraum zu sehen sein. Neben dieser Installation zeigen großformatige Fotografien und Filmausschnitte ungewöhnliche Fähigkeiten und Strategien von Lebewesen im Kampf ums Dasein. Der Schwerpunkt der Ausstellung soll somit die Intelligenz und Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt widerspiegeln.
Wie die Erdatmosphäre im Wechsel von Tag und Nacht und während der verschiedenen Jahreszeiten aussieht, können die Besucher anhand der Erdkugel sehen. Bewegte, hoch aufgelöste Satellitenbilder werden dabei detailgenau auf die Kugel projiziert. 11.3. bis 30.11.17

Rock und Pop im Pott

Sechs Jahrzehnte Musikgeschichte des Ruhrgebiets stehen 2016 auf dem Programm des Ruhr Museums. Den Anfang macht das Jahr 1956 mit seinen Jugendkrawallen und Protesten in Dortmund aufgrund des Films „Außer Rand und Band“ mit Bill Haley, dem König des Rock ’n’ Roll. 
Welche weiteren Musikhits und Stars bis heute für Tumulte oder kollektive Hysterie sorgten, verrät die Ausstellung um Beats und Breaks mit Platten, Postern, Instrumenten, Bühnenoutfits und vielem mehr, was Musik besonders macht. Die Besucher erwartet eine aufregende Reise durch die Musikszene des Reviers und ihrer Genres: vom Beat der 1960er über Kraut-, Deutsch- und Folkrock, Hard & Heavy und Punk, die Neue Deutsche Welle, Hip Hop, Techno bis hin zur Weltmusik. Bis 28.2.17