Arbeitersiedlungen im Ruhrgebiet –
My Home is my Castle

Das Metropole Ruhr vor rund 150 Jahren: Aus allen Richtungen strömten Arbeitssuchende mit ihren Familien in die damals kleinen Städte des Reviers, die auf einen solchen Ansturm nicht vorbereitet waren. Die Lösung des Wohnraum-Problems hieß: Siedlungsbau.

Siedlung Eisenheim in Oberhausen. Foto: Lueger/Schumacher
Ansicht Straßenzug Siedlung Eisenheim

Unter Denkmalschutz

Die erste Arbeitersiedlung im Ruhrgebiet entstand 1846 in Oberhausen. Die "Siedlung Eisenheim" bot um die Jahrhundertwende 1200 Menschen Unterkunft. Doch in den 1970er-Jahren drohte ihr letztlich dasselbe Schicksal, das auch andere Zechenkolonien ereilte: Sie sollte abgerissen werden. Dann allerdings geschah etwas, mit dem niemand gerechnet hatte: Die Anwohner wehrten sich massiv. Zwar waren die Gebäude mittlerweile abgewohnt und marode und entsprachen bei weitem nicht dem Komfort von Neubauten, aber ihre Bewohner fürchteten einerseits um ihren preiswerten Wohnraum, andererseits war die Siedlung im Laufe der Jahrzehnte ihre vertraute Heimat geworden.
Nach langem und zähem Kampf siegte die Bürgerinitiative, die Siedlung wurde vor dem Abriss bewahrt und Anfang der 90er-Jahre sogar unter Denkmalschutz gestellt. Auch die Siedlung "Flöz Dickebank" in Gelsenkirchen blieb auf Druck der Anwohner erhalten.

Siedlung Margarethenhöhe. Foto: Lueger/Schumacher
Ansicht Siedlung Margarethenhöhe

Entstehung einer Gartenstadt

Unzählige solcher Kolonien entstanden in allen Städten des Ruhrgebiets. Meist handelte es sich um zweigeschossige Gebäude mit zwei oder vier Wohnungen und getrennten Eingängen, dazu gehörte ein Schuppen für den Stall der "Bergmannskuh" und die Toilette. Die erste so genannte Gartenstadt mit geschwungenen Straßenzügen entstand ab 1906 in Essen: Margarethe Krupp stiftete sie anlässlich der Hochzeit ihrer Tochter Bertha und beauftragte einen Architekten des Deutschen Werkbundes. Die Margarethenhöhe in Essen wurde in einer Art Modulbauweise erstellt, das heißt es gab mehrere feste Elemente, die immer wieder neu kombiniert wurden, wodurch die Häuser zwar alle voneinander abweichen, stilistisch aber ein geschlossenes Ensemble bleiben. Inzwischen ist die Siedlung eine begehrte Wohnlage im Essener Stadtgebiet.

Heute sind die ehemaligen Zechenkolonien, so sie nicht abgerissen wurden, fester Bestandteil der Baukultur der Metropole Ruhr. Nicht wenige stehen unter Denkmalschutz und bewahren die Erinnerung an ein Stück alte Bergmannstradition.

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Route der Industriekultur

Die Route der Industriekultur Nr. 19 führt durch 50 Arbeitersiedlungen in der Metropole Ruhr.

Route Nr. 19

Online-Führer zur Architektur

Über 250 Projekte werden im Online-Führer zur Architektur und Ingenieurbaukunst der Metropole Ruhr dargestellt. Informationen zum Bauherrn, Baujahr und besondere Merkmale stellt der einfach zu handhabende Online-Führer übersichtlich dar. Das Projekt ist eine Kooperation der Architektenkammer NRW, der Ingenieurkammer-Bau NRW und der RUHR.2010.