Weltkriege und Nachkriegszeit

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts brachte mit einer Reihe produkt- und prozessorientierter Innovationen weitere Wachstumsimpulse, z.B. die Sonderstähle (nichtrostender Stahl, Hartstähle / WIDIA). Dampfkraft wurde endgültig durch Strom ersetzt. Der Durchbruch der Kohlechemie gelang durch die Gewinnung von Benzin aus Kohle. Die Verbundwirtschaft zwischen Kohle/Koks, Stahl, Chemie und Energie erreichte ihren Höhepunkt. Vor allem aber setzten technische Neuerungen des Produktionsprozesses im Zuge der Rationalisierung neue Impulse, in deren Verlauf das extensive Industriewachstum in eine Phase intensiven Wachstums überging.

Die Weltkriege bedeuteten mit Rüstungsindustrie, Zwangsarbeit, Zerstörung und Wiederaufbau Tief-, aber auch Hoch-Zeiten der Montanindustrie. Jedoch ist unübersehbar, dass der Montankomplex schon vor dem Zweiten Weltkrieg an Innovations- und Wachstumskraft verlor. Die Hochphase dieses Technologiekomplexes war erreicht. Aber Kriegswirtschaft und Wiederaufbau gaben Zusatzimpulse, ohne die der Montankomplex seine regionalwirtschaftliche Wachstumsdominanz schon viel früher eingebüßt hätte.

Dafür spricht auch die Entwicklung einer gänzlich neuen Stahltechnologie durch so genannte Lichtbogenöfen: Stahl konnte nun statt durch Koks mit Strom erschmolzen werden. Sogenannte „Ministahlwerke“ entstanden, die im Gegensatz zu den gigantischen Investitionen der „Integrierten Hüttenwerke“ an Rhein und Ruhr für die Herstellung von Massenstählen große Vorteile boten: Zunehmend konnte man nun Schrott einsetzten, die Standorte wurden von Kohle und Erz unabhängig. Strom und Schrott sind an fast allen Standorten weltweit verfügbar. Im Kraftwerksbetrieb ersetzte Erdöl zunehmend die Kohle. Die daraus erwachsenden Probleme des gesamten Montankomplexes ließen aber durch die Sonderbedingungen der Nachfrage noch bis Ende der 1950er Jahre (Kohlekrise) und 1960/70er Jahre (Stahlkrisen) auf sich warten.