Freiraum

Die Infrastruktur des Montanreviers war vollständig auf die Bedarfe der Industrie ausgerichtet. Im Bereich der Netzinfrastruktur ist sie geprägt von intensiver, klein gekammerter Zerschneidung der Siedlungs- und Freiräume durch Werksstraßen und -bahnen sowie Kanäle. Die Trassen sind nicht selten auf Dämme gelegt oder von Deichen flankiert, was die Undurchlässigkeit weiter verstärkt. Hinzu kommen Rohr- und Hochspannungsleitungen, Autobahnen, Werksanlagen u.ä. Grundsätzlich waren auch die riesigen Werksareale von hohen Zäunen und Mauern umgeben, „verbotene Städte“. Nicht Mobilität der Arbeitskraft, sondern Bindung an den Standort war die Maxime. Das beeinträchtigte die Kosten der Raumüberwindung und des Umbaus der mobilitätsbestimmten Nachmontan-Zeit ebenso wie den Wohn- und Freizeitwert.

Innenhafen Duisburg<br>Quelle: RVR-Fotoarchiv
Innenhafen Duisburg

Die Binnenschifffahrt und montanindustrielle Hafenanlagen unterlagen einer radikalen Ent- und Neubewertung: Wohn- Freizeit- und Dienstleistungsstandorte „am Wasser“ boomen (z.B. Innenhafen Duisburg) seit den 1990er Jahren und werden z.T. künstlich geschaffen (Phoenix-See in Dortmund).

Vom abgeräumten Stahlwerk Phoenix Ost ...<br>Quelle: RVR-Luftbildsammlung 2008
Vom abgeräumten Stahlwerk Phoenix Ost ...



... zum Phoenixsee in Dortmund-Hörde<br>Quelle: Blossey 2011
... zum Phoenixsee in Dortmund-Hörde

Bereits für den 1920 gegründeten Siedlungsverband Ruhrkohlebezirk (SVR) war die Sicherung von Grün-, Erholungs- und Freiraum eine der vordringlichen Aufgaben. Im „Regionalen Freiraumsystem“ und im Emscher Landschaftspark der IBA (s.u.) setzen sich diese Bemühungen fort. Der Rückzug der Montanindustrie hinterließ große Bestände von Brachflächen, die als „Jahrhundertchance der Stadtentwicklung“ (s.u.) auch dem Freiraumsystem neue Chancen eröffnen (s. Landschaftspark Duisburg; Industriewälder auf Halden, Wasserflächen wie Phoenix-See).

Flächen für „postindustrielle Stadtnatur“ könnten für den anstehenden Klimawandel und das erforderliche Umdenken von Stadtleitbildern und „die Stadt der Zukunft“ von erheblicher Bedeutung sein. Entsprechende Potenziale werden jedoch noch ungenügend wahr- und ernstgenommen (s. u.).