Phase 4 (ab 2000): Regionale Selbststeuerung

Im Jahr 2004 wurde der Regionalverband Ruhr (RVR), hervorgegangen aus dem ehemaligen Kommunalverband Ruhrgebiet (KVR), gegründet. Ihm obliegen primär gesamtregionale Koordinationsaufgaben der Städte und Kreise des Ruhrgebiets: so z.B. Regionalplanung, Regionsmarketing, regionale Öffentlichkeitsarbeit, Umwelt, Freizeit und „Route der Industriekultur“. Besonders bedeutsam ist die Überweisung der staatlichen Regionalplanung an das Ruhrgebiet im Jahr 2009 und mit ihr die regionale Masterplanung und Wirtschaftsförderung. (Vgl. zu Struktur und Aufgaben des Regionalverband Ruhr:  www.rvr.metropoleruhr.de)

In dieser Phase setzt der nunmehr für die Regionalplanung verantwortliche RVR die kleinschrittige Projektphilosophie – mit übergeordneten Leitthemen – fort. Hierzu zählen Initiativen, die vor allem die regionale Kooperation und die Regionsbildung betonen und fördern. Dazu gehören besonders drei Leitthemen:

  • Man löst sich vom schwerindustriell geprägten Regionsnamen „Ruhrgebiet“ und vermarktete die Region nunmehr als „Metropole Ruhr“, eine Namensgebung mit Signalwirkung für den erreichten und noch erforderlichen strukturellen Wandel. Dieser Impuls folgte zudem verschiedenen zwischenstädtischen und gesamtregionalen Kooperationsprojekten und initiierte weitere wie u.a. eine Serie von regionalen Masterplänen. Die „Regionale Wirtschaftsförderung wmr“ wurde neu etabliert. Die Regionalplanung des RVR erarbeitet zudem einen (behördenverbindlichen)  Regionalplan mit Zielaussagen für die räumliche Entwicklung.
  • Erwachsen aus der „Kompetenzfeldwirtschaft“, eine Variante der Clusterökonomie, wurden von der WMR regionsweit „Leitmärkte“ identifiziert. Sie konzentriert sich sowohl auf die Förderung von ausgewählten, starken Branchen des Ruhrgebietes als auch auf die Vernetzung der Zulieferer und Dienstleister (s.u.).
  • Der kulturbezogenen Stärkung der Region diente das Programm der „Ruhr 2010 - Kulturhauptstadt Europas“.Es soll, wenn auch zögerlich betrieben, fortgeschrieben werden.

Im Vordergrund steht nun, wie in der IBA-Zeit, die Umnutzung von Brachflächen und Industriegebäuden der Berg- und Hüttenwerke, Wasserstraßen und Häfen, Werksbahnen und Güterbahnhöfen, Gasometern und Halden. Hierbei musste aber die Revitalisierung der Brachflächen in der Regel den Marktbedingungen, den Wünschen der Investoren und den finanziellen Schranken folgen. Dabei gerieten Strategieen der Nachhaltigkeit und zukunftsorientierten thematischen Bündelung nicht selten aus den Augen. Sie wichen oft der kurzatmigen Ökonomisierung. Dabei erhielten aber auch die Sport-, Gesundheits-, Freizeit- und Kulturwirtschaft Impulse.

Gemeinsam ist diesem Jahrzehnt der Strukturpolitik zum einen der Versuch, die Stärken der Region in Kompetenzfeldern zu bündeln und zu fördern. Zum anderen spielen „weiche Standortfaktoren“ wie die Vielfalt und Qualität des Kulturlebens, aber auch die Einstellung der Bevölkerung und Identifikation mit der regionalen Lebenswelt eine entscheidende Rolle. Dies sind nicht zuletzt Antwortversuche auf die zunehmende Globalisierung, in der die Regionen weltweit um wissensintensive, innovative Unternehmen und Mitarbeiter konkurrieren. So erfährt die regionale/lokale symbolische Ortsbezogenheit als Gegengewicht zunehmende Wertschätzung.