Phase 3b (1985 - 1999): Regionalisierung der Strukturpolitik / Internationale Bauausstellung (IBA) Emscher Park

Die regionalisierte Strukturpolitik setzte deutlich andere, ergänzende Zeichen. Sie war weniger auf wirtschaftsstrukturelle, sondern mehr auf städtebauliche, industriekulturelle, ökologische und soziale Belange gerichtet. Symbolische Ortsbezogenheit im Außen- und Innenbild und damit Wohn-, Freizeitqualität, aber auch der Image-Gewinn und Nachhaltigkeit standen im Vordergrund.

Die strukturpolitische Neuerung forderte ein Umdenken von bisher dominanten Großplanungen „aus einem Guss“ hin zu einer Vielzahl kleiner Projekte, die jedoch thematisch gebündelt wurden. Die Zusammenführung bislang isolierter Fördertöpfe, Partizipation durch Ideenwettbewerbe (statt alleiniger Expertise staatlicher Ämter) sowie Qualitätskontrolle der Umsetzung zeichneten das neue Planungsdenken aus. Ziel war vor allem die Flexibilisierung: Die bisher vorherrschenden „Großprogramme“ waren weder finanziell, noch organisatorisch, noch im erforderlichen Zeitrahmen zu bewältigen. Zudem drohte das zunehmende Innovations- und Wandlungstempo auch die Ziele der Großplanungen zu überholen, bevor sie realisiert werden konnten. Letztlich folgte das neue Planungsparadigma dem Wertewandel hin zu mehr ökologisch-sozialen Zielen. „Nachhaltigkeit“ wurde zum Leitbegriff.

Die etwa 120, über die gesamte Emscherzone verteilten Projekte waren in fünf Leitthemen gebündelt.

  • Das Leitprojekt Emscher Landschaftspark setzte sich zum Ziel, eine grüne Achse, einen ost-westverlaufenden Grünzug durch das gesamte Ruhrgebiet zu schaffen ;
Emscher Landschaftspark<br>Quelle: RVR 2010, S. 10
Emscher Landschaftspark
  • Der „Ökologische Umbau Emschersystem“ dient der Renaturierung der Emscher.
    Der einstige industrielle Abwasserkanal soll Stück für Stück zu einem natürlichen Gewässersystem aus zweiter Hand mit attraktiven Wohn-, Garten- und Freizeitangeboten umgestaltet werden;
  • Mit dem Leitprojekt „Arbeiten im Park“ initiierte die IBA die Entstehung hochwertiger Gewerbe-, Dienstleistungs- und Wissenschaftsparks durch Reaktivierung alter Industriebrachen. Die Gestaltung der Kulturlandschaft einschließlich der Erhaltung und Neunutzung der Industriebauten (Industriedenkmäler) stand im Vordergrund. So sollten u.a. private Investoren gewonnen werden;
  • Das Leitprojekt „Neue Wohnungen und Siedlungen“ sollten an das Vorbild der Gartenstadt anknüpfen. Qualitativ hochwertiger Städtebau dient der Gewinnung von anspruchsvollen „Wissensarbeitern“. Die Bestandsaufwertung der traditionellen Werks- und Arbeitersiedlungen erhielten deren hohen Wohnwert und stabilisierten das soziale Milieu;
  • Industriedenkmalpflege und „Industriekultur“ deckten Aufgaben zum Schutz, Erhalt und zur Neunutzung industriegeschichtlicher Bausubstanz ab. Dies dient nicht nur der Identifikation der Bewohner mit der Region: Die Aufwertung zu „Kathedralen der Industriegesellschaft" fördert gleichzeitig, ebenso wie die der Halden (Haldenkunst, Landmarken), den überregionalen Tourismus. Große Anziehungskraft hat die „Route der Industriekultur“ entfaltet.
Übersicht über die Standorte der Route der Industriekultur <br>Quelle: RVR 2013
Übersicht über die Standorte der Route der Industriekultur

Besonders die erstgenannten drei Leitprojekte sind mit unterschiedlichen thematischen Überschneidungen und Schwerpunkten nach dem Ende der IBA (1999) fortgesetzt worden (z.B. manche Projekte der „Kulturhauptstadt 2010“, CultNature seit 2012).