Wirtschaftsförderung und "Leitmärkte"

In den letzten Jahren werden seitens der regionalen wirtschaftsförderung metropoleruhr (wmr) bestimmte „Leitmärkte“ favorisiert, in denen man vor allem auf die globalen Herausforderungen wie Klimawandel, demografischer Wandel und Verknappung bzw. Verteuerung der Ressourcen reagieren will. Beispiele dafür sind die Entwicklung integrierter Energiesysteme, Umwelttechnik und Ressourcenmanagement wie etwa nachhaltige Wasserwirtschaft (vgl. dazu http://business.metropoleruhr.de/leitmaerkte.html).

Bis in jüngere Zeit waren die wirtschaftspolitischen Leitgedanken der Region auf Branchenangebote eher (wenngleich nicht nur) im Bereich der „Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft“ orientiert. Hier hat sich jedoch ein zweifaches Umdenken eingestellt, das (a) weniger von der Angebotsseite, als vielmehr von der Nachfrageseite und den ihr zugrunde liegenden Änderungsprozessen in den Bedürfnislagen der Menschen (z.B. Gesundheitsbewusstsein) sowie den immer dringender werden gesellschaftlichen Problemen ausgeht; (b) der bis vor wenigen Jahren dominante Fokus auf wissensintensive und hochwertige unternehmerische Dienste hat sich um den „Industriellen Kern“ erweitert bzw. auf ihn zurückbesonnen. Neben industrieller Prozesstechnik spielen hier z.B. Werkstofftechnik und spezialisierte Chemiebranchen eine herausragende Rolle.

Insgesamt wurden acht Leitmärkte sowie zwei Querschnittsbereiche, der „Industrielle Kern“ und „Unternehmerische Dienstleistungen“ als förderpolitisch leitende Handlungsbereiche identifiziert. Innerhalb der Leitmärkte sind acht Leitmärkte für die Metropole Ruhr ausgewiesen:

  • Gesundheit,
  • Ressourceneffizienz,
  • Mobilität,
  • Urbanes Bauen und Wohnen,
  • Nachhaltiger Konsum,
  • Digitale Kommunikation,
  • Bildung und Wissen,
  • Freizeit und Events
Leitmärkte im Überblick<br>Quelle: Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH 2012, S. 8; http://business.metropoleruhr.de/leitmaerkte.html
Leitmärkte im Überblick

In den Querschnittsbereichen des „Industriellen Kerns“ spielen traditionelle Stärken der Region wie Maschinen und Prozesstechnik, Werkstoffe und Materialien als Zukunftsfelder eine herausragende Rolle. Hier sind traditionsreiche sowie neue Unternehmen tätig, deren Innovationsstrategien auf Märkte mit zukunftsträchtiger Leitnachfrage gerichtet werden sollen.

Ein Bespiel für solche Zukunftsfelder aus dem Leitmarkt Gesundheit mag das „neue Denken“ kennzeichnen: Gesellschaftliche Trends, die die Nachfrage leiten, sind u.a. das geänderte Gesundheitsbewusstsein (Gesundheit als „Life-Style“), der demografische Wandel und die sich ändernden familiären Versorgungsstrukturen im Alter. Telemedizin, gesundheits-, freizeit-, wellnessorientierte Dienste sowie neuartige, integrierte Versorgungs-/Pflegedienstleistungen u.a. sind die daraus entstehenden absehbaren Nachfragetrends und Zukunftsfelder.

Es geht der neuen regionalen Wirtschaftsförderungspolitik im Kern (a) um die Zusammenführung von technischen und sozialen Innovationen, (b) um ein auf Nachfragetrends und Megatrends bzw. gesellschaftliche Problemlagen orientiertes Umdenken und (c) um eine Rückbesinnung auf (modernisierte) Regionalkompetenzen eines „Industriellen Kerns“.

Der hohe Anspruch an wissens- und innovationsintensiven sowie projezierten Nachfragemärkten verweist aber auch auf eine vor allem regional auszubildende, hochqualifizierte (Wissens-) Arbeiterschaft. Fraglich ist trotz der außerordentlichen Erfolge der regionalen Bildungslandschaft mit ihren 21 Hochschulen, ob die Lohn-, Wohn-,Freizeit- und Bildungsqualität der Region, besonders die „Neue Urbanität“ im (inter-) nationalen Wettbewerb attraktiv genug und wahrnehmbar sind, um ausreichende Sogkraft für diese Hochqualifizierten anzubieten. Denn gerade hier hat sich die Standortwahl der wachstumsstarken, innovativen und wissensintensiven Klein- und Mittelunternehmen gewandelt: Sie müssen bei ihrer Standortwahl den Lebens- und Wohnortwünschen eben jener hoch qualifizierten Arbeiterschaft folgen. Die Profile dieser „Neuen Urbanität“, die eher von den Arbeitnehmer- als von den Unternehmerpräferenzen geprägt werden, sind noch ungenügend erforscht.