Zeche Zollverein<br>Quelle: RVR-Fotoarchiv
Zeche Zollverein

Brachflächen und Industriekultur

Die Hinterlassenschaften der montanindustriellen Ära des Ruhrgebietes bestehen vornehmlich aus den ehemals „verbotenen“, da in aller Regel mit hohen Mauern oder Zäunen umgebenen und teilweise kontaminierten Betriebsstandorten. Räumlich eng verzahnt, kommen weitere Elemente hinzu: die Bergehalden, die Werksanlagen, die dichten Netze der Schienenstränge und Bahndämme, Werksstraßen, Abwasserkanäle, Wasserwege, Häfen, Rohrtrassen (Fernwärme, Gichtgase, ...) und Energieleitungen.

Hier finden sich aber auch die baulichen Industriedenkmäler und damit die Basis der Industriekultur, die „Kathedralen der Industriegesellschaft“.

Bochum - Konzert in der Jahrhunderthalle<br>Quelle: RVR-Fotoarchiv, Vollmer 2001
Bochum - Konzert in der Jahrhunderthall

Gerade die riesigen industriellen Brachflächen sind oftmals selbst Kerne von Siedlungen (Zechenbrachen) oder in unmittelbarer Citynähe angesiedelt (Stahlwerkbrachen z.B. in Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Mülheim an der Ruhrund Oberhausen).

In verschiedenen Feldern der Stadtentwicklung spielen die Brachflächen und ihre Industriebauten eine Schlüsselrolle als soziales, ökonomisches, ökologisches und kulturelles Potenzial. Die IBA Emscher Park hat den Wert dieser „alten“, zuvor als Fälle von Flächensanierung erachteten Industriegebäude und -gelände erkannt. Sie wurden unter Denkmalsschutz gestellt, restauriert und somit bewahrt. Von besonderer Bedeutung aber war es, sie nicht allein mit einem bloßen musealen Wert auszustatten. Vielmehr wurden durch neue Nutzungen mit touristisch, gewerblich und/oder kulturell attraktivem Gebrauchswert geschaffen.

Entsprechende Erfahrungen im Bereich der Stadtentwicklung und des Brachflächenmanagements gehören zu den Stärken und Potenzialen der Region. Nicht zuletzt schließt das Kompetenzen zur Identifizierung von Altlastenverdachtsflächen, deren Dekontamination sowie die stadtwirtschaftliche Wiedernutzung ein. Brachflächen von morgen werden im Einzelhandel und Wohnungsleerständen, aber auch angesichts der Re-Urbanisierungstendenzen in Suburbia erkennbar.

Hier öffnen sich im Verein mit dem Schrumpfungsregime Chancen, die im alten Denken kaum zweckmäßig erschienen: die experimentierende Modellierung einer ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltigen Stadt der Zukunft, die auf eine „Entwicklung ohne Wachstum“, auf eine qualitative Stadtentwicklung zielt.

Die verschiedenen Entwicklungsstufen und Umnutzungstypen der Stadtentwicklung im Ruhrgebiet sind in historischer Dauer, Anzahl und Breite des Spektrums global einzigartig und die Erfahrungen mit dem Umsteuerungsprozess u.a. in den neuen Industrie- und Schwellenländern stark gefragt.