Postindustrielle Stadtnatur

Die Re-Urbanisierungstendenzen stehen den städtebaulichen Herausforderungen des Klimawandels entgegen. Hier sind statt der bisher verfolgten Leitbilder der „kompakten“/dichten Stadt eher Modelle der Entdichtung, der innerstädtischen Wasser-, Grün-, und Freiflächen, Funktionen der Durchlüftung und Temperatursenkung gefragt, vor allem Modelle einer postindustriellen Stadtnatur.

Auch hier war die IBA Emscher Park Vorreiter, in dem sie die Ideen der Renaturierung der Emscher mit Regen- und Abwasserwassermanagement aufgriff und nicht zuletzt die „Route der Industrienatur“ initiierte. Diese verbindet u.a. Industriestandorte, die sich die Natur zurückerobern soll.

Die Region mit ihrer polyzentrischen Struktur bietet vergleichsweise viele Landwirtschafts-, Frei-, Wald- und Wasserflächen. Diese Potenziale werden noch erweitert um jene Brachflächen, die nicht oder nur zu untragbar hohen Kosten in den stadtwirtschaftlichen Nutzungskreislauf zurückgeführt werden können. Hier dürften Chancen des Ruhrgebietes liegen: In hochverdichteten Stadtstrukturen der klassischen „kompakten Stadt“ müsste dagegen mit extrem hohem Kostenaufwand Bausubstanz rückgebaut werden, um vergleichbare Freiflächen und Klimaeffekte zu erzielen. So wird andererorts in hochverdichteten Städten mit „vertikalen Gärten“, „vertikalen Wäldern“ und mit „Landwirtschaft im Hochbau“ experimentiert. Städtische Park-, Wasser-, Grün- und Freiflächen werden umbewertet zum Zentrum der umgebenden Bebauung.

Vom abgeräumten Stahlwerk Phoenix Ost ...<br>Quelle: RVR-Luftbildsammlung 2008
Vom abgeräumten Stahlwerk Phoenix Ost ...
... zum Phoenixsee in Dortmund-Hörde<br>Quelle: Blossey 2011
... zum Phoenixsee in Dortmund-Hörde

Im Ruhrgebiet wird auf Brachen mit Industrienatur experimentiert, mit schnell wachsenden und kontaminationsverträglichen Gehölzen („Industriewald“) zur holzbasierten Energiewirtschaft (z.B. Pellets). In stillgelegten Bergwerksschächten sind Wärmepumpen (Erdwärme) in Planung und auf Halden sollen Energiespeicherseen entstehen.