Grenzen und Verwaltungsgliederung

Das Ruhrgebiet ist eine von der Industrie und ihren Erfordernissen geschaffene Wirtschaftslandschaft. Sie findet ihre Grenzen in den bekannten bzw. seinerzeit vermuteten Kohlelagerstätten samt zugehörigen Wasserläufen / Kanälen sowie Infrastrukturflächen, etwa die Trink- und Brauchwasserversorgung im Süden und Norden. Im Westen überschreiten die Grenzen entsprechend der Kohlevorkommen den Rhein. Die Region erstreckt sich in West-Ost-Richtung über etwa 120 km, von Nord nach Süd über etwa 70 km.

Naturräumliche Gliederung und Verwaltungsgrenzen des Ruhrgebietes (Gebiet des Regionalverbands Ruhr)<br>Quelle: KVR/Cornelsen 1995, Folien 2, 11 und 12
Naturräumliche Gliederung und Verwaltungsgrenzen des Ruhrgebietes (Gebiet des Regionalverbands Ruhr)

 

 

Weder stellt das Ruhrgebiet eine naturräumliche noch eine kulturhistorisch gewachsene Einheit dar. Vielmehr hat die Industrialisierung historische Räume überlagert, die bis heute z.B. als „Landschaftsverbände“ Westfalen-Lippe und Rheinland nebeneinander treten. Zudem hatte es der politische Wille seit jeher vermocht, eine einheitliche administrative „Region Ruhr“ zu verhindern. Vielmehr wurde die Region in drei Regierungsbezirksteile zerschnitten und durch die Regierungssitze Düsseldorf, Arnsberg und Münster „fremdbestimmt“. Erst seit 2004 hat sich dies teilweise geändert, als der Regionalverband Ruhr (RVR) gegründet wurde und seit 2009 wieder Träger der staatlichen Regionalplanung ist.

Während von außen eine einheitliche, politische Region nicht gegeben war, wurde und wird der „polyzentrische“ Charakter besonders durch innerregionale Gegebenheiten verstärkt. Die meisten Siedlungen entfalteten sich rasant, erhielten Stadtrechte und wuchsen nicht selten geradezu explosionsartig. Sie vermochten jedoch trotz verschiedener Zusammenlegungen (u.a. Kommunale Neuordnung Mitte der 1970er Jahre) kaum angemessene urbane Funktionen zu erfüllen bzw. entsprechende zentralörtliche Einrichtungen zu bilden: Zu groß für ein Dorf, zu klein für eine Stadt, entstand das „Revier der 1.000 Industriedörfer“. Das dürfte den bis heute andauernden Wettbewerb bzw. Kommunalegoismus („Kirchturmpolitik“) um Bevölkerung, Unternehmen und Stadtfunktionen zwischen den Gemeinden und Städten beflügelt haben.

Das Ruhrgebiet besteht heute aus elf kreisfreien Städten und vier Kreisen, die ihrerseits wieder mehrere Städte und Gemeinden vereinen. Manchmal sind im Kernbereich Übergänge zwischen den Städten nicht oder nur durch Ortsschilder erkennbar. Die bereits früh (1923) vom damaligen Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk geplanten regionalen Grünzüge haben sich als leiterförmig strukturierte Reste urbaner Freiflächen nur zum Teil erhalten können. Oft sind diese, die Städte einst trennenden Grünbänder, später willkommene Trassen für Eisen-, Autobahnen und Hochspannungsleitungen oder Freizeitanlagen, Wohn- und Hochschulstandorte.