Lage und Besiedlungsgang

Die Entfaltung des Ruhrgebietes wurde durch ein Bündel mannigfaltiger Faktoren ermöglicht. Die Lagegunst und naturräumliche Ausstattung spielen dabei eine herausragende Rolle.

Bereits zur Zeit Karl des Großen wurde im Zuge der Sachsenkriege begonnen, fränkische Königshöfe entlang der „Via Regia“ als Hauptverkehrsader nach Osten zu gründen. Zwischen der Mitte des 8. Jahrhunderts und ca. 890 entstanden u. a. Duisburg, Recklinghausen, Bochum und Dortmund. Als geistige Zentren galten das Kloster Werden und das Hochadelsstift Essen.

Zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert gab die Nachfrage der nordwärts gelegenen Hansestädte u.a. nach landwirtschaftlichen Gütern Impulse für die Gründung von 16 Hansestädten vornehmlich im Ruhrgebiet besonders entlang der fruchtbaren Hellwegböden und Börden. Mit dem Niedergang der Hanse erfuhren die einst blühenden Hansestädte einen tiefen Niedergang zu bedeutungslosen Ackerbürgerstädten. Die Versorgung reduzierte sich auf die nahe Region der Kleineisenindustrie des Bergisch-Märkischen Landes. Erst der im 18. Jahrhundert aufkommende regelmäßige Postkutschenverkehr gab bescheidene Entwicklungsimpulse.

Die großräumige Lage im Schnittpunkt von europäischen Handels- und Heerstraßen prägte den vorindustriellen Besiedlungsgang. Die Gunstlage erhielt neue Impulse sowohl durch die Stärkung der „klassischen“ so genannten Blauen Banane (Mittelengland – London – Niederlande – Rheinschiene – Norditalien) als auch nach der Öffnung Osteuropas (Ende der 1980er Jahre) mit der „Gelben Banane“, die sich als Ost-West-Achse entfaltete. Beide Lagemomente gaben und geben dem Ruhrgebiet in Handel und Verkehr Wachstumsimpulse z.B. in dem stark expandierenden Logistikbereich.

Das Bananenmodell: Ein strategisches Raumbild für europäische Wirtschaftsräume<br>Quelle: verändert nach Wienen 1994, Kartographie: Reichert
Das Bananenmodell: Ein strategisches Raumbild für europäische Wirtschaftsräume