Die „Charta Ruhr 2010“ und der „Regionale Diskurs“

Hier setzt die „Charta Ruhr“ an, die im Rahmen der „Kulturhauptstadt 2010“ erarbeitet wurde. Sie fordert die Abkehr vom städtebaulichen Leitbild der funktionsteiligen und autogerechten Stadt, die sich auszeichnet durch die Trennung von Arbeiten, Wohnen, Versorgen und Freizeit. Es geht ihr um die Schaffung einer neuen Urbanität in einer polyzentralen Metropole.

Ein „Strategieatlas“ soll den Orientierungsrahmen durch Verständigung auf ein zentrales, umfassendes Ziel bieten. Die Gestaltung der metropolitanen Stadtlandschaft soll von „Landschaft und Wasser“ her neu gedacht werden. Zudem stehen Industriekultur, Überkapazitäten der Flächen- und Infrastruktur durch Schrumpfung, Mobilität, soziale Kohärenz sowie Wissen und Bildung im Vordergrund. Dazu erscheinen u.a. die Stärkung der metropolitanen Selbstregulierungsfähigkeit, intensivierte Transformationsforschung und die Sicherung von freien Experimentierräumen unverzichtbar.

Die Charta Ruhr wagt sich auch an Themen, die im neoliberalen Mainstream kaum vermittelbar erscheinen: „Klimawandel und Stadt“, „Wassersensible Stadtentwicklung“, „CO2-neutrale Ruhr 2050“, die Metropole Ruhr im „intelligenten Verkehrszeitalter“, Kooperationskultur und Diversitätsmanagement.

Mit diesem weitgespannten Spektrum an Visionen, Strategieelementen und wegweisenden Empfehlungen kann die Charta Ruhr für sich in Anspruch nehmen, den wohl bedeutendsten Beitrag der letzten Jahrzehnte zur Zukunft der Metropole Ruhr anzubieten.

Allerdings erscheint es einmal mehr bemerkenswert, dass die Beteiligung der Bevölkerung, die Einbeziehung ihres Wissens und Wollens, die Dimension der politischen Teilhabe, keine, bestenfalls eine marginale Rolle spielt.

Der Regionalverband Ruhr versucht seit 2011 mit dem so genannten „Regionalen Diskurs – auf dem Weg in die Zukunft der der Metropole Ruhr“ einen anderen Weg zu beschreiten. Anstelle eigener Vorgaben, Visionen und Strategien der Charta Ruhr 2010 folgt man dem Konzept des Ideenwettbewerbs (erfolgreich z.B. in der IBA Emscher Park). Dessen Ergebnisse werden einspeist in eine neue Form der prozessualen Planung. Teilregionale Gespräche mit anschließenden „Stadtgesprächen“ werden zu einem „Regionalforum Herausforderungen“ gebündelt. Ihm folgen verschiedene Fachdialoge, die im Jahre 2015 über Regionalforen („Zukunft“ und „Wege“) die Basis für den „Regionalplan Ruhr“ erstellen. Zwar beschränken sich die genannten Gespräche, Foren und Fachdialoge auf fachliche Expertise und professionelle Akteure. Jedoch soll ausdrücklich die Bürgerschaft angesprochen und aktiviert werden, ihre Belange und Kenntnisse in das Verfahren einzubringen.

Titelblatt "Regionaldiskurs" - Ideenwettbewerb Zukunft Metropole Ruhr - Projektskizze<br>Quelle: RVR 2012, Titelseite
Titelblatt "Regionaldiskurs" - Ideenwettbewerb Zukunft Metropole Ruhr – Projektskizze

Beide Wege, die Charta Ruhr 2010 und der „Regionale Diskurs Regionalplan“ scheinen erfolgversprechend, besonders dann, wenn sie sich wechselseitig zur Kenntnis nehmen und die beiden Akteursgruppen kooperieren würden.