Neue Rahmenbedingungen der Entwicklung: „Megatrends des Wandels“

Es handelt sich hier um fünf „Megatrends des Wandels“:

  • Ökonomisch-technologischer Wandel: neue Basisgeneration der Kommunikations- und Informationstechnologie; Bedeutungszuwachs des Finanzkapitals mit Anzeichen von staatlichem Steuerungsversagen; Ausweitung und Verlagerung der klassischen globalen Wirtschaftsmächte der Triade auf die einstigen, so genannten Schwellenländer;
  • Globalisierung: zunehmende Verflechtung und Uniformierung/Monostrukturierung wesentlicher Gesellschaftsbereiche (u.a. Wirtschaft und Finanzmärkte, Kultur- und Politikwesen, Umweltbelange). Sie steht in Wechselwirkung mit Handelsliberalisierung sowie neuen IuK- und Transorttechnologien;
  • Demografisch-sozialer Wandel: „weniger – älter – bunter“; Wertewandel: Singularisierung der Lebensformen; Stellung der Frau und Familie; Flexibilisierung der Arbeits- und Lebenswelt; wachsende Disparitäten zwischen Armut und Reichtum;
  • Klimawandel: neue, teils unbekannte Herausforderungen an den Städtebau durch Klimaerwärmung und Zunahme von extremen Wetterereignissen;
  • Politisch - gesellschaftlicher Wandel: Die Zahl der Verlierer im Modernisierungsprozess vom neokeynesianisch-sozialen Wohlfahrtsstaat zum neoliberalen Wettbewerbsstaat, eng gebunden an Überschuldung sowie Eigendynamik des Finanzkapitals, steigt überproportional (Anzeichen des Steuerungsversagens). Die zurückliegenden Wandlungstendenzen der politischen Steuerungskultur, die - wenn auch nur partiell und zögerlich - auf Partizipation, kleinschrittige Projektarbeit und Nachhaltigkeit setzte, scheinen sich im globalen, deregulierten Wettbewerb um Innovation und Wachstum in das Gegenteil zu kehren.

Zusammengefasst kann die Position des Ruhrgebietes als ein doppelter regionalgesellschaftlicher Umbruch bezeichnet werden: Er betrifft sowohl die globalen, „exogenen“ (Globalisierung, Technologie, Klima) als auch in den regionalen, „endogenen“ Wandlungsprozesse (Demografie, „regional-biographische Erblasten“ und Pfadabhängigkeit der Stadtentwicklung).

Dabei ist die Überschätzung der regionseigenen Steuerungs- und Gestaltungsmacht ein durchgängiges Kennzeichen der Regionalplanungsansätze im Ruhrgebiet. Selbst wenn die endogenen Potenziale (z.B. Leitmärkte, Revitalisierung der Brachflächen, polyzentrische Region, …) in vollem Umfang entfaltet werden könnten und die interkommunale Kooperation gelänge, so bergen doch die exogenen Megatrends eine unübersichtliche und turbulente Änderungsdynamik. Sie setzen der strukturpolitischen Gestaltung regional nicht beeinflussbare Grenzen.