Glück auf – Mythos und Realität

Das Steigerlied samt dem Gruß "Glück auf" stammen aus den frühen Bergbautagen des Ruhrgebiets. Diese Fehlinformation hält sich hartnäckig, bei Einheimischen wie bei Touristen. Doch Pustekuchen! Wie so oft entspricht das Klischee keineswegs der Realität.

Grubenlampen. Foto: RVR/Kraemer
Grubenlampen

Wurzeln im Erzgebirge

Es ist ein altes Bergmannslied, so viel ist richtig, jedoch stammt es nachgewiesenermaßen aus dem Erzgebirge, wo es bereits anno 1700 Eingang in ein Bergliederbuch fand. Teile einzelner Strophen sollen sogar schon im 16. Jahrhundert geschrieben worden sein. Kein Wunder also, dass verschiedene Versionen überliefert worden sind.

Was hat es mit dem Lied auf sich? Zur Zeit seiner Entstehung war jeder, der ins Bergwerk "stieg", ein Steiger, gemeint sind damit also alle Bergleute. Im 19. Jahrhundert bezeichnete man mit Steiger eine Art Schichtführer. Heutzutage handelt es sich bei dem Berufsbild des Steigers (Elektro-, Maschinen-, Wetter-, Sicherheits-, Vermessungssteiger) um eine hochqualifizierte Tätigkeit, verbunden mit Aufsichts- und Führungsaufgaben. Voraussetzung ist der Besuch einer Techniker- oder Fachhochschule oder ein Studium an einer technischen Hochschule. Im gesamten Ruhrgebiet arbeiten aktuell noch rund 20 000 Menschen unter Tage, bis Ende 2018 dann endgültig "Schicht im Schacht" ist.

Zeche Zollern in Dortmund. Foto: RVR
Zeche Zollern in Dortmund

Historischer Gruß

Es gibt zwei verschiedene Erklärungen, wie der Ausspruch „Glück auf“ entstanden sein könnte. Damit sei der Wunsch verbunden, der Berg möge sich auftun und möglichst viel von seinen Schätzen - also Kohle und Erz - preisgeben, ist die eine. Verbreiteter ist die Ansicht, es handele sich um die verkürzte Form etwa von: "Viel Glück, dass du heil wieder heraufkommst." Denn die Arbeit im Bergwerk war ein großes Risiko - damals noch viel mehr als heute. Die Arbeitsbedingungen waren miserabel, tödliche Unfälle an der Tagesordnung.

Ursprünglich ein reiner Bergmannsgruß, hat "Glück auf" mittlerweile Eingang in den Alltag gefunden. Traditionell in Verbindung mit gekreuzten "Schlägel und Eisen" findet man die Wendung auf Vereinsfahnen oder auch auf ausgemusterten Loren, die mit Blumen bepflanzt zahlreiche Ruhrgebiets-Vorgärten zieren. Beinahe in jeder Stadt gibt es zudem eine Glückauf-Apotheke; außerdem existieren beispielsweise eine Biersorte, ein Verlag, ein Autohaus und ein Hotel, die den Gruß im Namen führen.

Bergmannskapelle. Foto: RVR/Wieler
Spielende Kapelle

Glück auf!

Vom Fußballfan über den Studierenden bis zum Politiker – wer seine Heimatverbundenheit zum Ausdruck bringen will, grüßt mit "Glück auf". Und mehr noch: Das Steigerlied hat längst für viele Menschen in der Metropole Ruhr Hymnen-Charakter: Es wird regelmäßig bei den Heimspielen des FC Schalke 04 gespielt, auf Volksfesten und Bergparaden. Und selbst Herbert Grönemeyer lässt es sich nicht nehmen, das alte Bergmannslied zu intonieren, wenn er in der Metropole Ruhr auftritt. Glück auf!

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Steigerlied

Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt.
l: Und er hat sein helles Licht bei der Nacht:l
l: schon angezünd't :l

 

Schon angezünd't! Das gibt einen Schein,
l: und damit so fahren wir bei der Nacht:l
l: ins Bergwerk ein :l

 

Ins Bergwerk ein, wo die Bergleut' sein,
l: die da graben das Silber und das Gold bei der Nacht :l
l: aus Felsenstein :l

 

Aus Felsenstein, hau'n wir das Gold
l: doch dem schwarzbraunen Mägdelein, bei der Nacht :l
l: dem sein wir hold :l

 

Ade, nun ade! Lieb' Schätzelein!
l: Und da drunten in dem tiefen finst'ren Schacht, bei der Nacht :l
l: da denk' ich dein :l

 

Und kehr ich heim, zum Schätzelein,
l: dann erschallet des Bergmanns Gruß bei der Nacht :l
l: Glück auf, Glück auf :l

 

Die Bergmann's Leut sein' kreuzbrave Leut,
l: denn sie tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht :l
l: und saufen Schnaps :l