Brieftauben – Spitzensportler der Lüfte

Dass einige der schnellsten Brieftauben aus der Metropole Ruhr kommen, dürfte eigentlich niemanden verwundern – schließlich lebt hier rund ein Drittel aller deutschen Züchter. Folgerichtig sitzt auch der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter mitten in der Metropole, in Essen, wo sich übrigens auch seit 1972 die weltweit erste und bis heute einzige Taubenklinik befindet.

Ein Prachtexemplar. Foto: Klaus Kühntopp
Taube

Kuh und Kröpper

Vorbei die Zeiten, als die Brieftaube das „Rennpferd des kleinen Mannes“ genannt wurde, längst zieht sich das Hobby durch alle Schichten und Berufe. Doch viele Jahrzehnte gehörten die „Kröpper“ zum Bergmann, ebenso wie seine „Kuh“, also die Ziege im Stall. Dem typischen Taubenvatta aus dem Arbeiter-Milieu wurde sogar ein Denkmal gesetzt, es steht in Castrop-Rauxel.

Ob wie in früheren Zeiten auf dem trockenen Dachboden beheimatet oder, wie heute üblich, in mehr oder weniger aufwändigen Taubenschlägen im Garten - die Aufzucht von Tauben erfordert stets volle Aufmerksamkeit. Bereits nach sechs Tagen werden die kleinen Täubchen unverwechselbar fürs Leben beringt. Das Flugtraining beginnt im Alter von drei bis vier Monaten. Den Tieren steht schließlich ein anstrengendes Sportlerleben bevor.

Auf die Plätze ... fertig ... los! Foto: Konrad Meierhofer
Tauben fliegen los

Luftakrobaten

Die Flugsaison beginnt für die Alttauben Ende April und endet nach zwölf bis 14 Preisflügen Anfang August. Die Jungtauben sind dann im August und September an der Reihe und absolvieren in dieser Zeit bis zu fünf Preisflüge. Dabei werden die gefiederten Sportler in so genannten Kabinenexpressen (spezielle LKW mit tiergerechtem Transportaufbau) zu den "Auflass-Orten" gefahren, von wo aus gestartet wird. 

In der Flugsaison werden die Distanzen der einzelnen Flüge von rund 150 auf bis zu 700 Kilometer gesteigert. Es gibt sogar speziell gezüchtete Weitstreckentauben, die bis zu 1.400 Kilometer nach Hause zurückfliegen. Die Jungtauben müssen noch lernen, finden aber bereits aus 300 Kilometer Entfernung problemlos ihr Ziel.

Via Elektrochip wird die Flugzeit bei der Ankunft im heimatlichen Schlag auf die Hundertstelsekunde genau registriert. Warum die Tiere über solch weite Strecken zielsicher nach Hause finden, ist noch nicht abschließend geklärt, doch manches Navigationsgerät kann von diesem Heimfindevermögen nur träumen ...

Eine ernste Sache: Bewertung auf der Ausstellung. Foto: Willy Hertel
Bewertung auf der Taubenausstellung

Szene-Treffen

Die Besten der Besten werden alljährlich auf der Deutschen Brieftauben-Ausstellung (DBA), die in den Dortmunder Westfalenhallen stattfindet, präsentiert. Dort erfahren Besucher, die aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland anreisen, Wissenswertes rund um Zubehör und Spezialpräparate für die Fütterung und Gesunderhaltung ihrer gefiederten Freunde. Ehrensache, dass die rund 10.000 Züchter aus der Metropole Ruhr mit dabei sind.

Taubenzüchter im Verein

Bundesweit über 6000 Vereine bilden die kleinsten Einheiten. Mehrere Vereine schließen sich zu Reisevereinigungen zusammen, diese wieder zu insgesamt 67 Regionalverbänden. Dachorganisation ist der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter e.V.

Wöchentlich erscheint seit 1883 (!) "Die Brieftaube", das Fachorgan der Taubenzüchter, in einer Auflage von 25.000 Exemplaren.

Dortmunder U

„Fliegende Bilder“ nennt sich die Filminstallation in drei Stationen des Regisseurs Adolf Winkelmann auf dem Dortmunder U. Pünktlich zur vollen Stunde zeigt die „Bilderuhr“ auf der Dachkrone des Gebäudes weithin sichtar von montags bis freitags Brieftauben, am Wochenende weiße Tauben.

Friedenssymbol

Weiße Tauben gelten als Symbol für Frieden und Liebe. Für besondere Gelegenheiten wie Hochzeiten kann man sich die seltenen Tiere mieten.