Budenzauber – Trinkhallen im Ruhrgebiet

Wenn irgendwo Klischee und Realität übereinstimmen, dann in und an den Kiosken der Metropole Ruhr. Zu Zeiten der Industrialisierung entstanden die ersten so genannten Trinkhallen, an denen hungrige und vor allem durstige Arbeiter auf dem Weg zur "Maloche" oder auf dem Heimweg einen kurzen Stopp einlegten. In den 60er-Jahren starben die Zechen – die Buden blieben.

Trinkhalle in Essen mit typischem Warensortiment. Foto: RTG/Ziese
Bild: Trinkhalle in Essen mit dem typischen Angebot von Klümpkes bis Illustrierter. Foto: RTG/Ziese

Bude ist Heimat

18.000 Kioske gibt es groben Schätzungen zufolge in der Metropole Ruhr. Sie alle trotzen tapfer der Konkurrenz der Supermärkte und Tankstellenshops, obwohl diese oft teurer sind. Die Buden wuchern mit anderen Pfunden: Hier kann man sein Herz ausschütten, die Weltpolitik diskutieren, ruhig auch mal eben im "Räuberzivil" hin, hier weiß man Bescheid über freie Wohnungen und vermisste Katzen. Bude ist Heimat.

Trinkhallen sind die zentrale Anlaufstelle im Wohnumfeld. Foto: RTG/Albersmeier
Bild: Trinkhalle mit Kundschaft auf einem Platz. Foto: RTG/Albersmeier

Buden-Verein

Dieses Phänomen der Alltagskultur ist nicht neu und war bereits Gegenstand empirischer Feldforschung und musealer Würdigung. Und es wurde – wie im Ruhrgebiet allgemein üblich – selbstverständlich auch schon ein Verein gegründet, der das Thema Trinkhalle von allen Seiten beleuchtet: Der "1. Kioskclub Museum am Ostwall 06". Dessen Ziel: die Erforschung und Pflege der Kiosk-Kultur weltweit; das Vereinslogo ist eine Lakritzschnecke.

Kiosk und Kultur

Nicht alle Buden überdauern die Zeit, manche werden umgenutzt. So wie die "Kitsch-Bude" in Bochum-Gerthe, benannt nach ihrem ersten Pächter: Friedrich Karl Wilhelm Kitsch. Der klassizistische Bau mit Säulenportal wurde vom "Kunstverein Lothringen" übernommen und mit viel Liebe zum Detail wieder hergerichtet. Seit 2011 finden dort regelmäßig Treffen und Konzerte des „Musikertreffs Ruhr“ statt.

2016 ist das Jahr der
Trinkhalle im Ruhrgebiet

Der 1. Kioskclub 06 hat 2016 zum Jahr der Trinkhalle erklärt und die Metropole Ruhr feiert ihre Buden-Kultur.

Das Programm ist viefältig:

Rund 250 Old- und Youngtimer werden zur ersten Budentour an über 50 Stops quer durchs Ruhrgebiet erwartet, Sonderausstellungen in den LWL-Industriemuseen Zeche Hannover in Bochum und der Henrichshütte Hattingen stehen ebenso auf dem Programm wie eine Kioskwallfahrt oder der erste Tag der Trinkhallen am 20. August 2016.

Eine Übersicht gibt die Ruhr Tourismus GmbH auf ihrer Website:

Die Bude weltweit

Der "1.Kioskclub 06 gegründet im Museum am Ostwall e.V. (1.KC 06)" arbeitet an einer weltweiten Plattform für die Büdchenkultur.

Die Bude im Netz

Umfassende Dokumentation aller Dortmunder Trinkhallen
www.exportweltmeister.de

Die Bude macht Kultur

Musikertreff in der "Kitsch Bude" in Bochum-Gerthe