Regionalkunde Ruhrgebiet
Haben Sie Interesse an weiterführenden, fachlich aufbereiteten Informationen über das Ruhrgebiet? Das Regionalkundliche Informationssystem "RIS" des Regionalverbandes Ruhr richtet sich mit seinem Angebot an alle, die sich über die Geschichte des Ruhrgebiets allgemein und speziell über den Strukturwandel seit den 1970er Jahren informieren wollen. Das Angebot richtet sich besonders an Schüler (Leistungskurse) und Studierende (z.B. Bachelorstudiengänge) sowie an die entsprechenden Lehrkräfte.
Vom Ruhrgebiet zu einer neuen Metropole...
Die Weichen für die Entstehung des Ruhrgebiets sind vor 350 Millionen Jahren im Erdzeitalter des Karbons gestellt worden, als mit der Entstehung der Steinkohle die Grundlagen für die spätere Entwicklung des Ruhrgebiets geschaffen wurden.
Bevor es im 19. Jahrhundert aber zur Nutzung des Rohstoffs kam, unterlag der Landschaftsraum, bedingt durch Römerlager, Hellweg und Hansezeit zahlreichen kulturellen Einflüssen, die noch heute im Ruhrgebiet zu erkennen sind. So prägen viele Wasserschlösser, Burgen, Herrenhäuser, Klöster und Kirchen sowie mittelalterliche Stadtbefestigungen noch heute die Region.
Antike: Die Römer machen Halt...
Das Gebiet zwischen Ruhr und Lippe war zu Christi Geburt von Germanenstämmen besiedelt. Die Römer versuchten von ihren Lagern in Xanten und Moers-Asberg in dieses Gebiet vorzudringen. Da es keine Straßen gab, nutzten die Römer die Flüsse als Transportwege. Die ersten Angriffe wurden gegen die Sugambrer im Jahr 12 v. Chr. geführt. Im folgenden Jahr gelang es den Römern ein Bollwerk am Zusammenfluß von Lippe und Seseke zu errichten und die Sugambrer in die Nähe von Xanten umzusiedeln. Das Lippetal befand sich somit in römischer Hand.
Mittelalter: Hansezeit und Hellweg
Während sich der Handel im 13. Jahrhundert auf den An- und Verkauf von Lebensmitteln und Handwerkserzeugnissen beschränkte, gab die Hansezeit im 14. Jahrhundert neue wirtschaftliche Impulse für die Region. Zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert wurden nicht weniger als 16 Siedlungen zu Hansestädten: Bochum, Dortmund, Dorsten, Duisburg, Essen, Haltern, Hamm, Hattingen, Kamen, Lünen, Recklinghausen, Schwerte, Unna, Wattenscheid, Werl und Werne. Der Hellweg diente dabei als eine der wichtigsten Heer- und Handelsstraßen, die von der Ruhrmündung über Mülheim, Essen, Bochum, Castrop, Dortmund und Unna bis zur Weser und Elbe führte. Zwischen Magdeburg und Köln wurden auf dem Hellweg Metalle des Harzes in den Westen und Tuche aus Flandern und Weine in den Osten befördert.
Im Kaiserreich war der Hellweg Teil der Reichsstrasse 1 zwischen Aachen und Königsberg. Der heutige "Ruhrschnellweg" wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk, dem Vorgänger des Regionalverbandes Ruhr, als "Verbandsstraße" geplant. Heute führt sie als Autobahn A 40 von Venlo in den Niederlanden bis zur Stadtgrenze Dortmund.
Gründung von Territorien
Die ersten bedeutsamsten regionalen Territorien um die Ruhr waren im Mittelalter die der Grafen von Berg, der Grafen von der Mark und der Grafen von Kleve. Ab 1521 waren die Territorien im Gebiet der vormals Grafschaften nun vereinigte Herzogtümer unter einer gemeinsamen Herrschaft zusammengeführt. 1609 fielen Kleve und Mark an Brandenburg, womit der Beginn einer Entwicklung zu preußischer Herrschaft in der Region gegeben war. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts übernahm Preußen schließlich auch die Herrschaft über einige kleinere Territorien der Ruhrregion, beispielsweise über die geistlichen Territorien von Werden und Essen. Mit der Vereinnahmung der Grafschaft Dortmund unter preußischer Herrschaft war die Vielzahl der aus dem Mittelalter überkommenen Territorien endgültig an einen Herrscher gefallen, die Entwicklung der Industrieregion in einem Rechtssystem war möglich geworden.
Erster Bergbau im Ruhrgebiet
Anfang des 14. Jahrhunderts wurde im Ruhrgebiet erstmalig der Steinkohlenbergbau erwähnt, bis ins 19. Jahrhundert hinein bewerkstelligten Pferde und Menschen die Förderung der abgebauten Kohle durch Stollen und Schächte an die Erdoberfläche.
Die Erfindung der Dampfmaschine lieferte vor 200 Jahren die Voraussetzung zur Vervielfachung der Steinkohlenförderung.
Zeitalter der Industrialisierung
Nach 1850 erlebte die Industrialisierung des Ruhrgebiets einen enormen Aufschwung. Die progressive preußische Wirtschaftspolitik löste die Feudalstruktur auf und führte die Gewerbefreiheit ein. Als Folge strömte ein großer Teil der Landbevölkerung in die aufstrebenden Städte; jahrzehntelang kamen Menschen aus allen Teilen Deutschlands und Europas in das entstehende Industriegebiet. Die Bevölkerungszahl stieg von rund 400.000 (1850) auf 3,8 Millionen (1925). Das Ruhrgebiet wurde zum industriellen Zentrum Deutschlands und Europas, geprägt von Kohle und Stahl.

- Industriealisierung im Revier. Foto: RVR-Archiv
Strukturwandel
Heute hat die Montanindustrie ihren prägenden Charakter für das Ruhrgebiet verloren. Mit der Gründung der Ruhruniversität Bochum 1965 begann die Umwälzung der Region, die nach Bergbau- und Stahlkrise eine neue Zukunft finden musste. Die Metropole Ruhr ist heute ein attraktiver Lebens- und Freizeitraum für qualifizierte Arbeitskräfte und innovative Unternehmen, ausgestattet mit einer unvergleichlich dichten Hochschul- und Kulturlandschaft.
Die Verleihung des Titel Kulturhauptstadt Europas 2010 durch die Europäische Union wird in der Metropole Ruhr auch verstanden als Anerkennung dieses "Wandels durch Kultur."















