Vom Kohlenpott zur Metropole Ruhr
Vor über 300 Millionen Jahren begann die Steinkohle, sich unter der Erdoberfläche zu bilden. Sie wurde zum grundlegenden Rohstoff für die Entwicklung des Ruhrgebiets. Heute arbeiten nur noch wenige Bergewerke und die Region hat sich zu einer dienstleistungs- und kulturorientierten Metropole gewandelt.
Antike und Mittelalter
Neandertaler siedelten etwa 80.000 v. Chr. im Landstrich des heutigen Ruhrgebiets und um Christi Geburt hatten sich längst Germanenstämme niedergelassen, die bald von den Römern vertrieben wurden.
Bevor die Kohleförderung im 19. Jahrhundert begann, war das Ruhrgebiet eher dörflich und landwirtschaftlich geprägt. Aber Römerlager, Hellweg und Hanse hatten schon ihre Spuren im künftigen Kohlenpott hinterlassen.
Die Hansezeit brachte Mitte des 14. Jahrhunderts neue wirtschaftliche Impulse, denn insgesamt 16 Siedlungen der Region gehörten dem Bündnis an. Damals galt der Hellweg, dessen Verlauf der heutigen Autobahn B1/A40 entspricht, als eine der wichtigsten Heer- und Handelsstraßen, die von der Ruhrmündung durch das Revier bis zu Elbe und Weser führte.

- Die Wiege des Ruhrbergbaus - Zeche Nachtigall im Muttental bei Witten. Foto: RVR/Ziese
Aufstieg durch Industrialisierung
Bis ins 19. Jahrhundert war das Ruhrgebiet in verschiedene Grafenterritorien zersplittert, die mit unterschiedlichen Maßen, Gewichten, Zöllen und administrativen Strukturen die wirtschaftliche Entwicklung behinderten. Erst als es unter preußischer Herrschaft eine einheitliche Gewerbeordnung gab und der Deutsche Zollverein 1834 gegründet war, setzte die Industrialisierung ein. Einen kräftigen Schub erhielt der Bergbau im Ruhrgebiet durch die Dampfmaschine, damit wurden tiefere Schächte und der Transport per Eisenbahn möglich. Zuvor hatten über 200 kleine Zechen rund 380.000 Tonnen Kohle hauptsächlich für den Eigenbedarf gefördert.
Durch neue Technologien und die dichtere Infrastruktur erlebte das Ruhrgebiet einen ständigen Aufschwung. Bis 1900 war es vollständig durch Eisenbahnstrecken erschlossen und der elektrische Strom löste die Dampfmaschinen ab. Es entstanden die Montankonzerne und Großschachtanlagen wurden typisch. Um die Jahrhundertwende förderten 170 Zechen rund 60 Millionen Tonnen Kohle. Das entstandene industrielle Zentrum zog Menschen vom Land und aus ganz Europa an, so dass die Bevölkerungszahl von 400.000 in 1850 auf 3,8 Millionen in 1925 anstieg.
Waffenschmiede und Wirtschaftsmotor
Als Produzent von Kohle und Stahl spielte das Ruhrgebiet eine bedeutende Rolle in den Weltkriegen. Um den enormen Bedarf an Waffen und Rohstoffen zu decken, liefen die Zechen und Hütten auf Hochtouren. Vor allem im ersten Weltkrieg erlangte das Revier den Ruf als "Waffenschmiede" und die Konzerne jagten mit der Rüstungsproduktion ihre Gewinne in die Höhe.
Am Ende des zweiten Weltkrieges standen nach dem verheerenden Bombenkrieg zunächst alle Industrieanlagen still. Zuerst lief die Kohleförderung wieder an, weil die Zerstörung unter Tage nicht gravierend war und die Bevölkerung in den strengen Wintern der Nachkriegszeit dringend Heizmaterial benötigte. Die Ressourcen des Ruhrgebiets waren für den Wiederaufbau unentbehrlich und kurbelten die Wirtschaft in Westdeutschland an. Schon 1950 förderten die 143 Zechen über 100 Millionen Tonnen Kohle und in den folgenden Jahren arbeiteten fast eine Millionen Menschen in der Kohle- und Stahlindustrie.
Aus der Montankrise in den Strukturwandel
Die Öffnung der Kohle-Märkte und andere Energieträger wie Erdöl und Erdgas ließen die Preise auf dem Energiemarkt sinken. Das Ruhrgebiet steckte ab 1958 in der Montankrise und die ersten Zechen wurden in Mülheim, Bochum und Duisburg stillgelegt. Innerhalb eines Jahrzehnts reduzierte sich die Zahl der Zechen und der Beschäftigten um die Hälfte. Auch die Stahlindustrie geriet durch internationale Konkurrenz in den 1970er Jahren in die Krise, in deren Folge das Hüttenwerk in Duisburg-Rheinhausen und die Hattinger Henrichshütte als erste Stahlstandorte vollständig dicht machten. Damit ging der prägende Charakter der Montanindustrie im Revier verloren und tausende Bergleute sowie Stahlarbeiter wurden arbeitslos.
Gleichzeitig setzte der Strukturwandel ein, indem neue Industrien wie das Opel-Werk in Bochum angesiedelt wurden und zahlreiche Hochschulen entstanden. Als erste Universität im Ruhrgebiet eröffnete 1965 die Ruhr-Universität Bochum. Die neuen Bildungsstätten machen das Ruhrgebiet zu dichtesten Hochschul- und Forschungslandschaft in Deutschland.
Industrie trifft Kultur –
IBA Emscher Park und Kulturhauptstadt
Das neue Gesicht des Ruhrgebiets wurde auch durch die Internationale Bauausstellung Emscher Park geprägt, die zwischen 1989 und 1999 mehr als 120 Projekte initiierte: industrielle Brachen und Abwasserläufe werden renaturiert, Technologiezentren und tausende Wohnungen entstehen oder werden saniert. Indem alte Industriestätten für Kunst und Kultur, Freizeit und Sport oder als Büroräume umgenutzt werden, tritt die einzigartige Industriekultur der Region in den Fokus.
Diese Entwicklung mündete u. a. in die "Route der Industriekultur", einen etwa 400 Kilometer langen Rundweg mit inzwischen 52 Zeugnissen der vergangenen Kohle- und Stahlzeit. Sie ziehen mit einem breiten Kultur- und Freizeitangebot immer mehr Touristen und Einheimische an. Unter dem Motto "Wandel durch Kultur" ist das Ruhrgebiet 2010 Kulturhauptstadt Europas und verknüpft die 53 zugehörigen Städte allmählich zur polyzentrischen Metropole Ruhr.
Regionalkunde Ruhrgebiet
Vertiefende Einblicke in die Entwicklung des Reviers gewährt das regionalkundliche Informationssystem. Es umfasst 28 Themen von den Anfängen bis zu den Zukunftsperspektiven des Ruhrgebiets.
Frauen - Geschichte
Die Geschichte von Herkunft und Zukunft der Region einmal anders erzählt – durch einen Blick auf die geschlechtsspezifische Organisation von Arbeit und Leben.













