Budenzauber – Trinkhallen in der Metropole Ruhr
Wenn irgendwo Klischee und Realität übereinstimmen, dann in und an den Kiosken der Metropole Ruhr. Zu Zeiten der Industrialisierung entstanden die ersten so genannten Trinkhallen, an denen hungrige und vor allem durstige Arbeiter auf dem Weg zur "Maloche" einen kurzen Stopp einlegten. In den 60er Jahren starben die Zechen – die Buden blieben.
Heimatgefühle
18 000 Kioske gibt es groben Schätzungen zufolge im Ruhrgebiet. Sie alle trotzen tapfer der Konkurrenz der Supermärkte und Tankstellenshops, obwohl sie in ihrem Anbebot oft teurer sind. Die Budenbesitzer wuchern mit anderen Pfunden: Hier kann man sein Herz ausschütten, mit den Nachbarn die Weltpolitik diskutieren, ruhig auch mal eben im "Räuberzivil" hin, hier weiß man, wo eine Wohnung frei ist und wer seine Katze vermisst – Bude ist Heimat.
Vereinskultur
Dieses Phänomen der Alltagskultur ist nicht neu und war schon Gegenstand empirischer Feldforschung und musealer Würdigung. Und es wurde – wie es im Ruhrgebiet üblich ist – auch schon ein Verein gegründet, der das Thema Trinkhalle von allen Seiten beleuchtet: Der 1. Kioskclub Museum am Ostwall 06. Ziel des Vereins ist die Erforschung und Pflege der Kioskkultur weltweit, das Vereinslogo ist eine Lakritzschnecke.
Buden-Diplom
Im Sommer 2009 wurden die Kioske im Ruhrgebiet Gegenstand einer Diplomarbeit. Simon Albersmeier trug schon als Kind mit glänzenden Augen sein Taschengeld zur Bude, um eine "Gemischte Tüte" zu kaufen – und genau so heißt jetzt das Buch, das er zu Ehren der "Süßigkeitenbunker" herausgebracht hat.
Kiosk und Kultur
Nicht alle Buden überdauern die Zeit, manche werden umgenutzt. So wie die "Kitsch-Bude" in Bochum-Gerthe. Der klassizistische Bau mit Säulenportal ist vom Kunstverein Lothringen übernommen worden und mit viel Liebe zum Detail wieder hergerichtet worden. Nun finden dort in regelmäßigen Abständen Ausstellungsprojekte junger und experimenteller Künstler statt.
Kiosk, Trinkhalle und Bude - Impressionen
Die Bude im Buch
Brigitte Kraemer: Die Bude, Fotografien, erschienen im Klartext-Verlag, Essen: Auf 136 Seiten führt die bekannte Ruhrgebietsfotografin den Betrachter zu den Buden und vor allem auch hinein. Eindringliche Schwarzweiß-Fotografien gewähren einen Einblick in die Welt zwischen Lakritzschnecken, Zigaretten und Telefonkarten.

Die Bude im Netz
Umfassende Dokumentation aller Dortmunder Trinkhallen
www.exportweltmeister.de














