Ruhr-Juwelen

Welche bemerkenswerten oder interessanten Besonderheiten aus Wirtschaft, Kultur,
und Freizeit gibt es in der Metropole Ruhr - und sonst nirgendwo? Die Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH hat auf ihrer Internetseite eine Auswahl zusammen gestellt.

Budenzauber – Trinkhallen in der Metropole Ruhr

Wenn irgendwo Klischee und Realität übereinstimmen, dann in und an den Kiosken der Metropole Ruhr. Zu Zeiten der Industrialisierung entstanden die ersten so genannten Trinkhallen, an denen hungrige und vor allem durstige Arbeiter auf dem Weg zur "Maloche" einen kurzen Stopp einlegten. In den 60er Jahren starben die Zechen – die Buden blieben.

Kioskverkäuferin
Kiosk: Klümpchenbude und Kummerkasten. Foto: Brigitte Kraemer

Heimatgefühle

18 000 Kioske gibt es groben Schätzungen zufolge im Ruhrgebiet. Sie alle trotzen tapfer der Konkurrenz der Supermärkte und Tankstellenshops, obwohl sie in ihrem Anbebot oft teurer sind. Die Budenbesitzer wuchern mit anderen Pfunden: Hier kann man sein Herz ausschütten, mit den Nachbarn die Weltpolitik diskutieren, ruhig auch mal eben im "Räuberzivil" hin, hier weiß man, wo eine Wohnung frei ist und wer seine Katze vermisst – Bude ist Heimat.

Hund vor einem Kiosk.
Budenzauber. Foto: Simon Albersmeier

Vereinskultur

Dieses Phänomen der Alltagskultur ist nicht neu und war schon Gegenstand empirischer Feldforschung und musealer Würdigung. Und es wurde – wie es im Ruhrgebiet üblich ist – auch schon ein Verein gegründet, der das Thema Trinkhalle von allen Seiten beleuchtet: Der 1. Kioskclub Museum am Ostwall 06. Ziel des Vereins ist die Erforschung und Pflege der Kioskkultur weltweit, das Vereinslogo ist eine Lakritzschnecke.

Kleinkind im Hochstuhl in einem Kiosk
Familienleben im Kiosk. Foto: Simon Albersmeier

Buden-Diplom

Im Sommer 2009 wurden die Kioske im Ruhrgebiet Gegenstand einer Diplomarbeit. Simon Albersmeier trug schon als Kind mit glänzenden Augen sein Taschengeld zur Bude, um eine "Gemischte Tüte" zu kaufen – und genau so heißt jetzt das Buch, das er zu Ehren der "Süßigkeitenbunker" herausgebracht hat.

Kiosk und Kultur

Nicht alle Buden überdauern die Zeit, manche werden umgenutzt. So wie die "Kitsch-Bude" in Bochum-Gerthe. Der klassizistische Bau mit Säulenportal ist vom Kunstverein Lothringen übernommen worden und mit viel Liebe zum Detail wieder hergerichtet worden. Nun finden dort in regelmäßigen Abständen Ausstellungsprojekte junger und experimenteller Künstler statt.

Die Bude im Buch

Brigitte Kraemer: Die Bude, Fotografien, erschienen im Klartext-Verlag, Essen: Auf 136 Seiten führt die bekannte Ruhrgebietsfotografin den Betrachter zu den Buden und vor allem auch hinein. Eindringliche Schwarzweiß-Fotografien gewähren einen Einblick in die Welt zwischen Lakritzschnecken, Zigaretten und Telefonkarten.

Brigitte Kraemer: Bude

Die Bude im Netz

Umfassende Dokumentation aller Dortmunder Trinkhallen
www.exportweltmeister.de