Ruhrdeutsch - Hömma!
Wahrlich, die Sprache des Ruhrgebiets ist nichts für Puristen. Es ist noch nicht einmal eindeutig geklärt, ob es sich bei ihr um einen Slang, einen Dialekt oder eine Mundart handelt. Die Sprachwissenschaft spricht von einem sogenannten Regiolekt. Wie auch immer, das Ruhrdeutsch entstand in der Form, wie wir es heute kennen, zum Ende des 19. Jahrhunderts und speist sich ein bisschen aus (fast) allen Sprachen der Welt.
Die Sprache der Metropole Ruhr wird von prominenten Kabarettisten und Schauspielern in die weite Welt hinausgetragen. Urvater war (der Koblenzer) Jürgen von Manger, dessen Bühnenfigur Adolf Tegtmeier bis heute unerreicht ist und für viele aktuelle Comedians wie Helge Schneider, Uwe Lyko (Herbert Knebel), Dr. Stratmann und Atze Schröder ein Vorbild war. Alljährlich wird in den Herner Flottmann-Hallen der Wettbewerb „Tegtmeiers Erben“ veranstaltet.
An dieser Stelle sei lediglich auf ein paar ausgewählte Eigenheiten hingewiesen:
Mindestens 30 Merkmale unterscheiden das Ruhrdeutsch vom Hochdeutschen, insbesondere die unverschobenen Verschlusslaute (dat), die Spirantisierung des g (Tach) und die umschreibende Verlaufsform (am essen).
Sowohl die Einwanderer ins Ruhrgebiet wie auch Einheimische auf Reisen brachten neue Wortschöpfungen mit. Beispiele: Ostpreußisch (Lorbass), Kölsch (Kappes), Polnisch (Mottek), Englisch (Wollwott), Holländisch (verdorri!), Französisch (aus der Lamäng), Italienisch (pickobello), Spanisch (Karacho) und sogar Latein (stickum).
Mit Fällen hält sich das Ruhrdeutsche nicht auf. „Das ist die Fahrkarte meiner Großmutter“ wird zu „Die Faakaate is meine Omma ihre“.
Das Ruhrdeutsche liebt Bindewörter. „Wenn du möchtest, kannst du in den Garten gehen“ heißt hier „Wennze meins, kannze innen Gaaten gehn“.
Es gibt auch Streitfälle. So ist z. B. noch nicht abschließend geklärt, ob „Komm zur Oma“ stilecht „Komm nache Omma“ oder „Komm bei Omma bei“ heißt.
Das r wird nur im Notfall mitgesprochen. „Ich waa sogaa zweimaa inne Kiache“ (Ich war sogar zweimal in der Kirche) spart den Buchstaben gleich fünfmal.
Ähnliches gilt für das l und das t: „erst mal“ wird so zu „ersma“.
Hingegen wird das g oftmals zum ch. „Guten Tag“, sagte er – „Gutn Tach“, sachte er.














