Der Regionalverband Ruhr informiert: Pressemitteilungen
„Wildbrücke“ über A 31 nimmt Gestalt an / Straßen.NRW und RVR laden zur Baustellenführung in die Üfter Mark
Schermbeck. Zwei stark befahrene Verkehrswege, die Autobahn A 31 und die Bundesstraße B 224, durchschneiden das 1.700 Hektar große Waldgebiet Üfter Mark in Schermbeck und Dorsten. Die beidseitig gezäunte Autobahn A 31 stellt eine unüberwindliche Hürde für Hirsch, Dachs und weitere Tierarten dar, um in andere Reviere zu wandern. Anders sehen die Probleme an der Bundesstraße B 224 aus. Dort werden durch Wildwechsel zahlreiche Unfälle verursacht, die für Tiere oft tödlich enden und für Menschen lebensgefährlich sein können.
Deshalb wollen der Landesbetrieb für Straßenbau in NRW als Bauherr und der Regionalverband Ruhr (RVR) als Waldbesitzer mit Verkehrssicherungsmaßnahmen Abhilfe schaffen. In einer Studie vom 31. August 2009 hatte der RVR gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Rotwild aus Bad Nauheim und dem Büro biopace aus Münster Vorschläge zu Querungshilfen in der Üfter Mark gemacht. Auf dieser Grundlage setzt Straßen.NRW das Verkehrsprojekt um.
Grünbrücke über A 31 weist Rotwild künftig den Weg
Eine begrünte, fünfzig Meter breite Autobahnbrücke wird einen Tierkorridor zwischen Veluwe und Kroenburger Veen in den Niederlanden bis zur Hohen Mark / Dämmerwald eröffnen. Um möglichst viele Tierarten über die Brücke zu führen, soll das 2.700 Quadratmeter große Bauwerk so gestaltet sein, dass die im Umkreis vorkommenden Lebensräume wie Heide, Magerrasen, Offenbodenbereiche, Gebüsche oder Gebiete mit Totholz in kleinem Maßstab darauf nachgebildet werden.
Im Umkreis von 350 Metern zum Bauwerk ist der Zutritt für den Menschen verboten. Nahe liegende Rad- und Wanderwege werden verlegt. Auf der Brücke wird eine Infrarotkamera installiert, um ein Biomonitoring durchführen zu können, ohne die Tiere zu stören.
Blinkender Hirsch an der B 224 warnt Autofahrer vor Wildwechsel
Ein neuer, 4,5 Kilometer langer Verkehrsschutzzaun hält Wildtiere schon jetzt davon ab, die Bundesstraße 224 kreuz und quer zu passieren. Radfahrer und Spaziergänger können durch speziell eingebaute Waldtore die Üfter Mark betreten oder verlassen.
Zwischen dem Rhaderweg und dem Forsthausweg auf einer Länge von 400 Metern wird der Zaun unterbrochen. Dort sollen die Tiere sicher die Straße überqueren können. Damit das möglich ist, werden auf beiden Fahrbahnseiten Bewegungs- und Infrarotdetektoren installiert, die Autofahrer auf nahende Wildtiere aufmerksam machen. Diese Erfassungsgeräte reagieren auf Bewegung und Wärme und lösen ein Warnsignal mit Geschwindigkeitsbegrenzung aus.
Diese Verkehrssicherungsmaßnahme ist notwendig, da an der knapp fünf Kilometer langen Strecke an der B 224 schon jetzt jährlich 28 Wildunfälle passieren. Mit der Grünbrücke und der Wanderung der Tiere ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Wildkollisionen ohne Gegenmaßnahme noch erheblich steigen könnte.
Die Kosten für die Grünbrücke belaufen sich auf 4,5 Millionen Euro. Der Verkehrsschutzzaun und die Wildwarnanlage erfordern Investitionen in Höhe von rund 550.000 Euro. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) stellt das Geld aus dem Konjunkturpaket II bereit. Der Landesbetrieb Straßen.NRW realisiert die Verkehrs-sicherungsmaßnahmen und übernimmt auch die Unterhaltung. Der Regionalverband Ruhr sorgt für die Begrünung der Brücke und die Pflege.
Grünbrücke und Wildwarnanlage sind Anfang 2012 fertiggestellt. Im April / Mai 2012 werden auf der Überführung Gräser eingesät und Sträucher gepflanzt. Für die Bewegungs- und Infrarotdetektoren läuft zunächst eine Testphase. Geprüft wird, ob der blinkende Warnhinweis nur nachts oder auch tagsüber aktiviert werden sollte.




