Der Regionalverband Ruhr informiert: Pressemitteilungen
Zentrale Ergebnisse und Perspektiven
Mit dem Bildungsbericht Ruhr legt eine Region mit 5,16 Millionen Menschen, elf kreisfreien Städten und vier Kreisen eine gemeinschaftliche Analyse ihrer regionalen Bildungslandschaft vor. Der Bildungsbericht Ruhr knüpft an vorliegende kommunale Bildungsberichte an und er-weitert diese erstmals durch eine überkommunale Perspektive, die es so bislang nicht gege-ben hat. Der Bildungsbericht Ruhr ist daher der erste regionale Bildungsbericht in der Bundes-republik Deutschland.
Im Ergebnis wird erkennbar, dass sich die 53 beteiligten Kommunen auf Grund vergleichbarer wirtschaftlicher und sozialer Rahmenbedingungen ähnlichen Herausforderungen bei der Ge-staltung von Schulstrukturen und Bildungsangeboten gegenüber sehen.
Der Bericht liefert eine systematische Analyse von Förderstrukturen und Bildungsangeboten über die gesamte Bildungsbiografie hinweg und bietet über entsprechende Handlungsempfeh-lungen Ansatzpunkte für die gemeinsame Diskussion über zentrale Handlungsfelder im regio-nalen Bildungswesen.
Für die Bildungsberichterstattung wurden neben aktuellen amtlichen Statistiken auch Daten aus den Kommunen angefragt und zusätzliche Erhebungen durchgeführt. Innerhalb eines Jah-res wurde dadurch eine umfangreiche empirische Bestandsaufnahme erstellt, die fachliche Ansatzpunkte zur schrittweisen Ausgestaltung der Metropole Ruhr im Sinne einer „Bildungsre-gion Ruhr" bietet. Ein kontinuierliches regionales Bildungsmonitoring könnte diesen Prozess künftig noch weiter befördern und zudem dazu beitragen, Bildung als zentrales Thema der Re-gion überkommunal zu verankern.
Insbesondere in den folgenden Bereichen lassen sich auf der Grundlage des Bildungsberichts Ruhr Gestaltungsmöglichkeiten erkennen, deren gemeinschaftliche Umsetzung Bildungsange-bote in der Region erweitern und verbessern und zugleich eine besondere Ausstrahlung der Metropole Ruhr im Sinne einer „Bildungsregion Ruhr" ermöglichen:
Mehr Kinder mit Sprachförderbedarf in der Metropole Ruhr als im übrigen NRW:
fehlende Sprachkompetenz als großes Problem.
Zwei Jahre vor der Einschulung weisen 30% aller Kinder in der Region einen zusätzlichen Sprachförderbedarf auf. Das sind rund 7% mehr als im übrigen NRW. Besonders gefährdet sind hierbei Kinder, die in sozial belasteten Umfeldern aufwachsen. An dieser Stelle ist es wichtig, bestehende Angebote im Bereich Sprachförderung künftig noch stärker auszubauen und Kinder aus sozial belasteten Umfeldern früher zu fördern. Erste Anhaltspunkte dazu wer-den im Bildungsbericht beschrieben.
Metropole Ruhr in der Ganztagsbetreuung vorne, doch die Bildungsqualität
der Angebote muss noch weiter gesteigert werden
Beim Ausbau der Ganztagsbetreuung liegt die Region mit 87% im Primarbereich und 50% im Sekundarbereich vor dem übrigen NRW. Das gilt auch für die jeweiligen Teilnahmequoten, die bei jeweils etwa einem Drittel aller Schülerinnen und Schüler liegen.
Wünschenswert wäre allerdings die Schaffung noch stärker differenzierter Bildungsangebote, die über eine Betreuung hinausgehen, um dadurch die individuelle Förderung zu verbessern und insgesamt noch mehr Schülerinnen und Schüler zu erreichen.
Hochschulabschlüsse von Personen mit Migrationshintergrund in der Region Ruhr nehmen zu, allerdings bleibt Handlungsbedarf bei der Verbesserung des Bildungsni-veaus der ausländischen Bevölkerung
Als Region, die schon lange durch Zuwanderung geprägt ist, stellt sich in der Metropole Ruhr die Frage der Integration in besonderem Maße. Der Bildungsbericht Ruhr hat dabei gezeigt, dass ausländische Schülerinnen und Schüler in der Region weniger qualifizierte Bildungsab-schlüsse erreichen. Positiv hervorzuheben ist allerdings, dass es in den letzten Jahren gelun-gen ist, sowohl bezogen auf die Hochschulreife (+28,3% seit 2005) als auch bezogen auf den Hochschulabschluss (+53,3% seit 2005) eine erhebliche Verbesserung der Abschlüsse von Personen mit Migrationshintergrund zu erzielen. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, diese Dynamik fortzusetzen und das Bildungsniveau insbesondere von ausländischen Schülerinnen und Schülern weiter zu verbessern.
Die Metropole Ruhr hat eine vielfältige Aus- und Weiterbildungslandschaft.
Der drohende Fachkräftemangel erfordert jedoch eine stärkere Nutzung des Ausbil-dungspotenzials.
In den vergangenen zehn Jahren ist die Anzahl der Auszubildenden kontinuierlich gesunken, und zwar stärker als im übrigen NRW (13,1% vs. 10,1%). Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, bestehende Ausbildungspotenziale zu nutzen. Dies gilt insbesondere für die Gruppe der nichtdeutschen Schülerinnen und Schüler, die in der Metropole Ruhr noch stärker als im übrigen Land in das so genannte Übergangssystem eintreten (21,7% vs. 16,2%). Positiv ein-zuschätzen ist dagegen, dass der Anteil Auszubildender in außerbetrieblichen Einrichtungen steigt und 2010 im Ruhrgebiet bei 10% liegt (übriges NRW: 6,3%). Um die berufliche Ausbil-dung stärker an der individuellen Bildungsbiografie auszurichten und so das Ausbildungspo-tenzial noch stärker zu nutzen, sollen eine einrichtungsübergreifende Bildungsberatung etab-liert und eine gezielte Berufsorientierung weiterentwickelt werden.
Hochschullandschaft und Studierendenzahlen in der Region entwickeln sich dyna-misch, allerdings gelingt es der Region Ruhr nicht, das Potenzial möglicher Studie-render auszuschöpfen.
Die Region Ruhr zeichnet sich durch eine vielfältige und dynamische Hochschullandschaft aus, deren Attraktivität im Vergleich zum übrigen NRW in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Das zeigt sich sowohl in einer kontinuierlichen Steigerung der Studierendenzahlen – im Wintersemester 2010/11 um 10,3% gegenüber 2,2% im übrigen NRW – als auch in der Erhö-hung des Anzahl ‚auswärtiger‘ Studierender auf mittlerweile 41% (gegenüber 34% in 2007). Gleichzeitig weist der Bericht jedoch auch auf ein noch unausgeschöpftes Potenzial an mögli-chen Studierenden hin, welches sich aus dem Vergleich der Hochschulzugangsberechtigungs- und Studierendenquote ergibt. Um dieses Potenzial noch stärker zu nutzen, müssen die Studi-enangebote noch stärker den Bedarfen angepasst werden.
Vielfältiges Bildungsangebot jenseits formaler Bildung, noch stärkere Nutzung dieses Potenzials künftig auch für Kooperationen mit Schulen sinnvoll
Die Bedeutung von Bildungsprozessen jenseits formaler Bildung ist durch den Bildungsbericht Ruhr für die Region eindrucksvoll verdeutlicht worden. Dabei zeigt sich, dass sowohl in der of-fenen Kinder- und Jugendarbeit als auch im Bereich des Vereinssports und der kulturellen Bil-dung vielfältige Angebote bestehen. Eine stärkere Betonung des Bildungspotenzials dieser Angebote ist für die Gestaltung einer künftigen Bildungsregion Ruhr von großer Bedeutung. Das gilt ebenfalls für einen Ausbau der Kooperation mit Schulen und weiteren Bildungseinrich-tungen, etwa im Bereich der Ganztagsbetreuung.




