Forschungskompetenz E-Mobilität

Rund zwei Drittel der Autos, die 2025 weltweit verkauft werden, sind mit einem Hybridantrieb ausgestattet oder fahren als batteriebetriebene Elektrofahrzeuge. Das ist das Ergebnis einer Studie des Centers Automotive Research (CAR) an der Uni Duisburg-Essen. In der Metropole Ruhr wird die Mobilität der Zukunft nicht nur erforscht, sondern schon im Alltag erprobt.

Bild: Praxistest: Strom tanken und Benzin sparen. Foto: Fotolia/Grundmann
Praxistest: Strom tanken und Benzin sparen. Foto: Fotolia/Grundmann

Alltagstauglichkeit auf der A40 bewiesen

E-Mobilität, das bedeutet: Fahrzeuge werden mit Strom angetrieben. Forscher aus der Metropole Ruhr untersuchen Einsatzmöglichkeiten, Antriebe, Ladesysteme und Energiespeicher, Sicherheitsaspekte, aber auch wirtschaftliche Fragen beim Umstieg auf E-Mobilität oder wie sich ein Niedrigenergiehaus mit E-Mobilität verbinden lässt. Diskutiert werden die Ergebnisse jährlich auf dem Wissenschaftsforum Mobilität der Uni Duisburg-Essen (nächster Termin: 21. Juni 2012).

Wie die E-Mobilität unseren Alltag verändern wird, das untersuchen die Experten in vielfältigen Praxistests. So haben der Essener Energiekonzern RWE und Aachener Wissenschaftler in einem Modellprojekt „E-Mobilität im Pendlerverkehr“ entlang der A40 die Chancen für einen elektrischen Pendlerverkehr zwischen Rhein und Ruhr ausgelotet. Mehr als 300 Ladestationen wurden aufgestellt und betrieben, 72 E-Fahrzeuge legten rund 250.000 Kilometer zurück. Der Bund förderte das Projekt mit 4,5 Millionen Euro. Die Bilanz fällt positiv aus: E-Mobilität ist alltagstauglich.

Bild: Zukunftsmusik: Das Solarfahrzeug SolarWorld Gran Turismo der Hochschule Bochum soll die Welt umrunden. Foto: HS Bochum
Zukunftsmusik: Das Solarfahrzeug SolarWorld Gran Turismo der Hochschule Bochum soll die Welt umrunden. Foto: HS Bochum

Praxistest mit Daten aus Duisburg und Essen

Das bestätigt ein weiteres Modellprojekt. Mehr als 50 Duisburger und Essener Psychologen, Informatiker, Ökonomen und Ingenieure arbeiten darin interdisziplinär zusammen. Sie erforschen seit 2010 ein breites Themenspektrum von der Technik über die nötige Logistik bis zur Akzeptanz solcher Fahrzeuge. So fließen Milliarden von Verkehrsdaten aus den Großrechnern des Stauforschers Prof. Michael Schreckenberg ein. Andere Wissenschaftler suchen Lösungen für die Batterie-Alterung oder für das Sicherheitsproblem, dass die Elektroautos zwar angenehm leise sind, von anderen Verkehrsteilnehmern aber nicht überhört werden dürfen. Um die Auswirkungen auf Verkehrsfluss und Umwelt zu ermitteln, werden die Daten aus einem Feldversuch mit 25 Elektro-Pkw und Nutzfahrzeugen in Köln auf ganz NRW hochgerechnet.

E-Mobile im Einsatz in Essen, Dortmund und Hagen

Gemeinsam mit dem Autovermieter Sixt macht RWE das Elektroauto jedermann zugänglich: Am 3. Mai 2010 boten sie erstmals Elektrofahrzeuge zur Miete an. Das bundesweite Pilotprojekt startete in Essen. RWE betreibt rund 1000 Ladestationen und baut sein Geschäftsfeld E-Mobilität stetig aus.

Die Stadt Dortmund will Vorreiterin in Sachen Elektromobilität werden. So ist vorgesehen, zehn E-Autos anzuschaffen und im Einsatz bei der Stadtverwaltung zu erproben. In Hagen können Taxi-Fahrgäste sich in einem Elektroauto vom Typ Mitsubishi „i-MiEV“ chauffieren lassen, das der Energieversorger Mark-E den Taxiunternehmern zur Verfügung stellt.

Solarmobile und Superbatterien

Die Hochschule Bochum hat sich bereits mit ihren Solarmobilen einen guten Namen gemacht; 2011 wurde ihr Solarcar bei der World Solar Challenge in Australien zum dritten Mal in Folge zum schönsten und innovativsten Solarauto der Welt gekürt. Nun hat das dortige Institut für Elektromobilität den landesweit ersten alltagstauglichen Elektrokleintransporter entwickelt und auf der Internationalen Automobilausstellung IAA 2011 vorgestellt. Zwei Personen und 400 kg Nutzlast soll das "BOmobil" über 150 Kilometer transportieren, Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h. Das Fahrzeug wird als einer der Siegerprojekte im Wettbewerb ElektroMobil.NRW vom Land gefördert.

Weitere ausgezeichnete Ruhrgebiets-Beiträge sind eine an der TU Dortmund entwickelte Prüfplattform für Elektromobilität und ein Forschungsprojekt der Uni Duisburg-Essen zu veränderten Geschäftsmodellen, die der Übergang zur Elektromobilität mit sich bringt, ferner hocheffiziente Energiespeicher aus Dortmund und Duisburg. Um E-Fahrzeuge alltagstauglich zu machen, müssen leistungsfähigere "Superbatterien" gefertigt werden; die Weiterentwicklung Lithium-Ionen-Batterietechnologie  durch den Essener Evonik-Konzern gilt als Weltspitze. Ab 2012 sollen Evonik-Batterien Mercedes-Autos antreiben.

Weltumrundung: Rekordversuch mit Bochumer Sonnenwagen

Die Hochschule Bochum hat sich für ihren "SolarWorld Gran Turismo" ein spektakuläres Ziel gesetzt: Der Sonnenergie-betriebene Flitzer soll als erstes Solarfahrzeug überhaupt eine Weltumrundung schaffen. Ins Guiness-Buch der Rekorde würde das eingehen als "die längste gefahrene Strecke mit einem Solarfahrzeug". Die Reise dauert rund ein Jahr und soll im Herbst 2012 am Startort Darwin in Australien enden.

Netzwerk

Ein bislang bundesweit einzigartiges kommunales Netzwerk zur Förderung der E-Mobilität hat sich 2010 als Verein in Bochum gegründet. Der ruhrmobil-E e. V. will Bochum zur Vorreiterin bei der Entwicklung, Produktion und Nutzung von E-Fahrzeugen machen. 40 Partner arbeiten dabei zusammen, darunter die Ruhr-Uni, das Nahverkehrsunternehmen Bogestra und Aral.

Verbandsmitglieder unterstützten die Entwicklung des "BOmobils" und sorgten dafür, dass am Bochumer Hauptbahnhof nun Elektrofahrräder zur Miete bereitstehen.

Großforschungsprojekt der Uni Duisburg-Essen in Köln:

Unter dem Slogan "Die Zeit ist reif für Elektromobilität" bündelt RWE hier Infos über seine entsprechenden Aktivitäten:

Wettbewerb ElektroMobil.NRW:

Ältere Fahrer sind bereit, in E-Mobilität zu investieren

Es sind vor allem Ältere, die sich für Elektroautos interessieren. Sie sind eher bereit als jüngere Kunden, die derzeit noch hohen Anschaffungskosten für ein solches Fahrzeug zu tragen. Viele über 50-Jährige planen, im Laufe der nächsten drei Jahre ein Elektroauto anzuschaffen. Das ergab eine Umfrage des Centers für Automobil-Management (CAMA) der Universität Duisburg-Essen (UDE).