Industriemuseen zeigen Siedlungsgeschichte des Ruhrgebiets

Die Geschichte der heutigen Metropole Ruhr begann lange vor der Industriealisierung. In den Archäologie-Museen der Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) lernen Sie, was Forscher über
250.000 Jahre Siedlungsgeschichte an Rhein, Ruhr, Emscher und Lippe herausgefunden haben.

Das LWL-Museum in Herne versteht sich als zentrales Schaufenster der Archäologie in Westfalen. Foto: LWL/Schlag

250.000 Jahre Geschichte frisch erforscht

Im LWL - Museum für Archäologie in Herne können Sie auf eine Reise in die Zeit gehen, als im heutigen Westfalen noch Mammuts gejagt wurden - vom Neandertaler und vom Homo sapiens. Im Museum können Sie 8.000 Jahre alte Töpferwaren besichtigen oder verfolgen, wie vor 2300 Jahren die Eisenverhüttung in Westfalen begann. Durchwandern Sie ein vorzeitliches Gräberfeld oder einen Wald von Lanzen aus der Zeit Karls des Großen und sehen Sie, was Archäologen über das 20. Jahrhundert herausfinden. In einer neuen Vitrine "Frisch erforscht!" stellen die Archäologen aktuelle Forschungsarbeiten vor - erstes Thema im Oktober 2009 war die Analyse von Skeletten von Germanen, die offenbar im Kampf gegen die Römer gefallen waren.

Mit seiner einzigartigen Konzeption und Gestaltung gehört das Landesmuseum zu den modernsten archäologischen Museen in Europa. Ein besonders Highlight für Besucher ist das Forscherlabor. Dort können Besucher die Methoden nachvollziehen, mit denen Wissenschaftler die Spuren aus der Vergangenheit entschlüsseln, und selbst Materialien analysieren, Experimente durchführen und steinzeitliche Großsteingräber untersuchen. Im September 2009 wurde das Forscherlabor des LWL-Museums für Archäologie mit dem Preis "365 Orte im Land der Ideen" ausgezeichnet.

Bild: Menschen auf der Treppe im Archäologischen Park Xanten
Treppe im Archäologischen Park Xanten. Foto: Thünker

Deutschlands größtes Archäologie-Freilichtmuseum

Xanten war eine wichtige Stadt der germanischen Provinzen Roms. Im 2. Jahrhundert nach Beginn unserer Zeitrechnung lebten hier 10.000 Menschen. Heute bilden die zum Teil noch im Boden ruhenden, zum Teil ausgegrabenen Überreste der Stadt den Archäologischen Park Xanten. Der vom LVR getragene "APX" ist Deutschlands größtes archäologisches Freilichtmuseum. Wissenschaftler sichern in permanenten Ausgrabungen die Spuren der Vergangenheit und stellen ihre Arbeitsergebnisse regelmäßig in Ausstellungen vor. Vielleicht werden Sie ja auf Ihrem Spaziergang quer durch das Gelände Zeuge, wie eine römische Olivenöl-Amphore freigelegt wird? 

2008 wurde das neue Römer-Museum auf dem Gelände eröffnet. Auf römischen Grundmauern errichtet, erzählt der futuristische Bau über 400 Jahre römischer Legionslager- und Stadtgeschichte. Pfeilspitzen, Schwerter, Geschirr und Skulpturen machen den römischen Alltag lebendig. Park und Museum ziehen jährlich 400.000 Besucher an.

Selbst Legionär spielen

In Haltern am See, dem wichtigsten Römerstandort in Westfalen, sind zentral die bedeutendsten Funde aus allen Römerlagern an der Lippe ausgestellt. Als Schaufenster in die Römerzeit lässt das 1993 vom LWL errichtete Römermuseum die Geschichte der Römer in Westfalen lebendig werden. Die Besucher können sogar selbst in die Rolle eines Römers schlüpfen, mit dem schweren Marschgepäck eines Soldaten durchs Museum wandern oder versuchen, mit dem Griffel in das Wachs einer Schreibtafel zu ritzen. In einem rekonstruierten Legionärszelt informiert eine "Tagesschau" aus dem Jahre 4 n. Chr. über "aktuelle" Ereignisse in Rom und Germanien. Hörprogramme gewähren unterhaltsame Einblicke in die Geldsorgen der Legionäre vor 2.000 Jahren. Und keine Angst: Sie müssen kein Latein können; jeder Originalschriftzug ist übersetzt, alle Fundstücke werden erklärt.

Die Dauerausstellung wird von Dezember 2009 bis Frühjahr 2010 überarbeitet und bleibt derweil geschlossen. Im November 2009 hat die Bezirksregierung Münster hat dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe 420.000 Euro bewilligt, um das Halterner Römermuseum um eine archäologische Baustelle zu erweitern. Das Gelände befindet sich auf Teilen des ehemaligen römischen Hauptlagers Haltern und wurde 1987 unter Denkmalschutz gestellt. Im ersten Bauabschnitt wird das ehemalige Westtor des Lagers rekonstruiert.

Bild: Außenansicht des Römermuseums in Haltern am See
Zeltförmige Oberlichter erinnern an die Soldatencamps an dieser Stelle und bringen Licht in den modernen Museumsbau mit Grasdach. Foto: LWL-Pressestelle

Kontakt & Infos

LWL-Museum für Archäologie
Westfälisches Landesmuseum
Europaplatz 1
44623 Herne
Telefon: +49 (0)2323.94628-24
Telefax: +49 (0)2323.94628-33
LWL-Römermuseum
Weseler Str. 100
45721 Haltern am See
Telefon: +49 (0)2364.9376-0
Telefax: +49 (0)2364.9376-30
LVR-Archäologischer Park Xanten
Besucherservice Xanten
Siegfriedstraße 39 (Eingang zum Museum)
46509 Xanten
Telefon: +49 (0)2801.988-9213