Kultur Metropole Ruhr 2018: Die Region zeigt hochkarätige Kunst-Schauen

Eine vitale Kunstlandschaft präsentiert spannende Ausstellungen mit klassischer Moderne, Fotografie und Gegenwartskunst. Die internationale Kunstszene schätzt das Potenzial der Region, das Angebot in Galerien, Kunstvereinen und Museen ist beeindruckend vielschichtig. 

Josef Albers, Homage to the Square, 1964. © 2017 The Josef and Anni Albers Foundation / VG Bild-Kunst

Albers auf Villa Hügel

Die Wirkung der Farbe in den Werken von Josef Albers ist kraftvoll und unverwechselbar. Linie, Farbe, Fläche und Raum interagieren miteinander, fordern die Wahrnehmung des Betrachters heraus. Albers‘ Serie „Homage to the Square“, die mehr als 2.000 Bilder umfasst, wurde zum Markenzeichen des wegweisenden Künstlers, Lehrers, Kunsttheoretikers und Impulsgebers. In einer großangelegten Retrospektive wollen die Kulturstiftung Ruhr und das Josef Albers Museum Quadrat Bottrop Hauptwerke seines facettenreichen Schaffens in der Villa Hügel zusammenführen. 16. Juni bis 7. Oktober 2018
www.villahuegel.de

Kunst und Kohle

Wenn im Jahre 2018 die Steinkohleförderung in Deutschland ausläuft, endet damit mehr als ein bedeutender Industriezweig: Das Kapitel einer über 150 Jahre andauernden Geschichte, die insbesondere das Gesicht des Ruhrgebiets, das Selbstverständnis seiner Bewohner und die Entstehung seiner einmaligen Kunst- und Kulturlandschaft geprägt hat, schließt. Die RuhrKunstMuseen widmen sich mit einem gemeinsamen Ausstellungsprojekt diesem bedeutsamen Einschnitt. Sie werfen damit nicht nur die Frage nach der kulturellen Dimension dieses Ereignisses auf, sondern reflektieren mitunter auch die mit der Industrialisierung der Region so eng verwobenen Entstehungsgeschichten ihrer Häuser.

17 RuhrKunstMuseen nehmen den Kohleausstieg zum Anlass für das größte städteübergreifende Ausstellungsprojekt, das je zu diesem Thema umgesetzt wurde. In 13 Städten werden von Mai bis September 2018 zeitgleich über die gesamte Region hinweg künstlerische Positionen gezeigt, die sich auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Thema „Kohle“ auseinandersetzen.

Info: Ruhrkunstmuseen

Foto: Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna

BRIGHT! in Unna

¡BRIGHT! bildet die Fortsetzung der 2015 mit ¡DARK! begonnenen Ausstellungsreihe, in der die Sehgewohnheiten des Besuchers auf besondere Weise herausgefordert werden.
Während ¡DARK! Installationen in fast völliger Dunkelheit zeigte, wird ¡BRIGHT! dem Besucher etwas abverlangen: alle Installationen nutzen weißes Licht in Form von Neon oder Leuchtstoffröhren und sind zugleich eine Hommage an langsam im Verschwinden begriffene Lichtquellen.  Die speziell für die Räume des Museums konzipierten Werke stammen von Künstlern verschiedener Generationen und so ist es interessant zu sehen, wie sie mit ähnlichen Materialien ganz unterschiedliche künstlerische Ergebnisse erzielen.
Teilnehmende Künstler: Pedro Cabrita Reis (P) |  Björn Dahlems (D) |   Molitor & Kuzmin (D/UA) |  Volkhard Kempter.  Bis 8. April 2018
Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna

Grace Jones and Andy Warhol, Studio 54, New York, 1978 © Ron Galella, Ltd.
© 2017 LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

SHOOT! SHOOT! SHOOT! in Oberhausen

Brigitte Bardot mit blonder Mähne, Yves Saint-Laurent nackt und Mick Jagger mit Pelzkapuze: Ikonen der Film-, Mode- und Musikszene, fotografiert von Superstars wie Richard Avedon, Bert Stern oder Helmut Newton, lassen in der LUDWIGGALERIE das Lebensgefühl der 1960er und -70er Jahre aufleben. Die Ausstellung zeigt überwiegend Schwarz-Weiß-Fotografien und besticht durch die Kombination von musealen Werken und atmosphärischen Paparazzi-Aufnahmen. Party und Politik, Mode und Musik, Kunst und Körperkult werden unter anderem durch Warhols Factory und die dort vertretene New Yorker Szene ins Bild gesetzt. Über 200 Fotografien aus der Schweizer Nicola Erni Collection versammeln das Who is Who der Celebrity-Gesellschaft. 21. Januar bis 27. Mai 2018.
LudwigGalerie Schloss Oberhausen

Rebecca Horn, In unendlicher Liebe umschlungen, 2017, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Dejan Saric

Rebecca Horn - Ausstellung der Wilhelm-Lehmbruck-Preisträgerin 2017

Die Ausstellung zeigt erstmals die neuesten raumgreifenden Installationen der Künstlerin, die Hauchkörper: Überlebensgroße, spitze Stäbe aus Messing bewegen sich in präzise komponierten Choreographien aufeinander zu und voneinander weg. Die unendlich scheinende Bedächtigkeit ihrer Bewegungen wirkt meditativ: Sie verlangsamt uns und führt zur Versenkung in unser Inneres. Zyklische Bewegungen prägen viele der Werke Rebecca Horns von Performances der 1970er Jahre über ihre Spielfilme der 1980er bis hin zu aktuellen kinetischen und skulpturalen Werken.

Im Zentrum steht der Mensch und seine Seele, der Mensch auch mit seinen dunklen Seiten, mit seinen Apparaturen, die er sich selbst geschaffen hat, der Mensch mit seiner Fähigkeit, seine eigenen Unzulänglichkeiten durch Schönheit zu überwinden. Die Werke Rebecca Horns nehmen uns unmittelbar gefangen, sie fesseln unsere Aufmerksamkeit und verankern sich in unserem Gedächtnis. Bewegliche Skulpturen bekommen ein Eigenleben und führen uns in Räume des Unbewussten jenseits der Alltagswelt. Bis 2. April 2018
LehmbruckMuseum

28. Januar bis 22. April 2018

Emil Schumacher - Bilder auf Porzellan in Hagen

Ein makelloser Malgrund, Gold, Platin, Porzellanfarbe – Anfang der 1990er-Jahre stellte Emil Schumacher sich einer neuen Herausforderung. Zeitlebens immer wieder neu inspiriert von Eigenheiten wechselnder Materialien, ihren Fehlern und sogar von Fundstücken, die für andere nicht mehr zu gebrauchen warenkeinen Wert mehr hatten, wie alte Dachschindeln oder Draht und Gestrüpp, scheint die Wahl des edlen Materials ein Widerspruch im Œuvre zu sein.  28. Januar bis 22. April 2018
Emil Schumacher Museum

Jonas Weichsel, Ohne Titel, 2010, Öl und Acryl auf Aluminium, Josef Albers Museum Quadrat, Bottrop, © Jonas Weichsel

Jonas Weichsel. Parcours in Bottrop

Jonas Weichsel (*1982) präsentiert mit „Parcours“ seine erste institutionelle Einzelausstellung, in der er eine raumbezogene Arbeit vorstellt. Er geht in seiner Arbeit den komplexen Fragestellungen zu Materialität und Wirkung malerischer Mittel nach. Seinen Bildern wohnt eine trügerische Einfachheit inne, die ihre volle Kraft erst in der Betrachtung des Originals entfalten. In Bottrop werden zu einer ortsspezifischen Wandmalerei sowie dem Raum Bilder auf verschiedenen Trägern, Formen und Formaten ins Verhältnis gesetzt. 28. Januar bis 22. April 2018
Josef Albers Museum Quadrat Bottrop

Joachim Brohm: Ruhr, Essen, 1981 (2007). © Joachim Brohm - VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Fotografie: "Umbrüche" in Situation Kunst

Wenn 2018 die letzte Zeche im Ruhrgebiet schließt, geht eine Epoche zu Ende, die mit der rasanten Industrialisierung im 19. Jahrhundert begann. Was bedeuten die spätestens seit dem Beginn des Strukturwandels in den 1960er Jahren spürbaren Erschütterungen für die Region? Die Fragen und Herausforderungen, die sich seit längerem schon für das Ruhrgebiet stellen, reichen in ihrer Bedeutung weit über die Region hinaus. Wahrscheinlich zog und zieht das Ruhrgebiet gerade deshalb immer wieder Künstlerinnen und Künstler insbesondere aus den Bereichen Fotografie und Film an, die den Wandel mit je eigenen Formulierungen ins Bild setzen. Fotografien von Rudolf Holtappel, Bernd und Hilla Becher, Joachim Brohm, Jitka Hanzlová sowie Filme von Marco Kugel und Richard Serra . 7. September 2017 bis 25. März 2018
Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum: Situation Kunst

Und noch mehr Ausstellungen:

Ruhr Kunst Museen

Eine Initiative zur Kulturhauptstadt RUHR.2010: 20 national und international arbeitende Kunstmuseen des Ruhrgebietes haben sich zu den RuhrKunstMuseen (RKM) zusammengeschlossen. Mit Ihren Sammlungen der Kunst vom 19. Jahrhundert über die Moderne bis zur Gegenwart bilden die RuhrKunstMuseen eine einzigartige Museumslandschaft.

Der Berg ruft

Berge existieren nicht ewig. Sie entstehen in Millionen von Jahren durch Kollisionen der Erdplatten und werden durch die Kräfte der Erosion wieder zerstört.  „Der Berg ruft“ heißt die kommende Ausstellung im Gasometer Oberhausen. Sie zeigt ab März 2018 die Vielfalt dieser außergewöhnlichen Welt und erzählt von der Faszination der Berge auf uns Menschen. Sie macht den ewigen Kreislauf des Gesteins nachvollziehbar und zeigt in einzigartigen Filmausschnitten und Fotos wie in Jahrmillionen in den gewaltigen Gebirgsmassiven der Erde einzigartige Lebenswelten mit ihrer ihnen eigenen Tier- und Pflanzenwelt entstanden sind. Die Ausstellung lässt ihre Besucher teilhaben an den legendären Erstbesteigungen der berühmtesten Gipfel der Erde, berichtet von großartigen Triumphen und dramatischen Niederlagen. Und sie erzählt von der jahrtausendealten Ehrerbietung, mit der Menschen den Bergen begegnen: Sie waren Orte religiöser Verehrung, der Zuflucht und Besinnung in Abgeschiedenheit, voller Mythen und Geheimnisse. 16. März - 30. Dezember 2018

Josef Stoffels. Steinkohlenzechen - Fotografien aus dem Ruhrgebiet

Im Mitelpunkt stehen ca. 160 Aufnahmen von 60 Zechen, die in den 1950er Jahren auf dem Höhepunkt des Bergbaus im Ruhrgebiet bzw. unmittelbar vor der Bergbaukrise entstanden. In den zehn seitlichen Kabinetten des Ausstellungsraumes werden zum einen die dem Bergbau verwandten Themen wie Lehrlingsausbildung, Sammellager für Bergleute, betriebliche Einrichtungen, Siedlungen und Bergmannskotten ausgestellt, die Stoffels ebenfalls fotografierte. Zum  Anderen sind Auftragsarbeiten für die Industrie, die Essener Messe und das Ruhrlandmuseum zu sehen. Als freier Fotograf dokumentierte er zudem das Stadtbild von Essen, vor allem in der unmittelbaren Nachkriegszeit mit der Stadt und dem Münster in Trümmern und unter britischer Besatzung. Die Ausstellung erschließt einen der wichtigsten fotografischen Bestände zum Bergbau und stellt auch mit persönlichen Portraits, Familienportraits, den Apparaten, mit denen Stoffels fotografiert hat, sowie den von ihm herausgegebenen Bildbänden einen der bedeutendsten Fotografen des Ruhrgebietes vor. 22. Januar bis 2. September 2018