Das war Industriefilm Ruhr

Hier zum Nachlesen, Recherchieren und Stöbern: Das Programm der Jahre 2010, 2011 und 2013 bei IndustrieFilm Ruhr:

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Industriefilm Ruhr im Buch

IndustriefilmRuhr gibt's auch zu lesen: Die beteiligten Archive und weitere Archive haben zwei umfängliche Kataloge ihrer Industriefilme aus den 1950er- und 1960er-Jahren veröffentlicht – und weitere Bücher zum Thema

"Technik - Drei Studien in Jazz", 1961

Musik, Arbeit, Rhythmus: Aus den Schnittresten des Imagefilms „Krupp heute – Menschen und Werk“ von 1958 entstand ein innovativer und preisgekrönter Industriefilm, der die Grenzen des Genres auch hörbar sprengte. 

Der Rohguss unter der hydraulischen Presse. Foto: Historisches Archiv Krupp

Ein Meisterwerk aus Schnittresten

"Das ungewöhnliche an diesem Streifen ist der Umstand, dass weder seine Bilder noch seine Musik ursprünglich für ihn gemacht wurden", schrieb die Ruhr-Nachrichten im August 1961. Ungewöhnlich auch, dass der Film keine Auftragsproduktion war. Herbert Obscherningkat und Hans-Heinrich Hermann, Regisseur und Texter von "Krupp heute" traten 1958 mit einer überraschenden Idee an die Presseabteilung des Unternehmens heran. Sie nannten ihr Projekt "Technik – drei Studien in Jazz".

Ihr Ziel war ein Film, der durch eine harmonische Komposition von Bild und Musik zeigt, dass der moderne Jazz "ein Ausdruck unserer Zeit, unseres technischen Zeitalters ist“. Man wolle den Betrachter stutzig machen, "angesichts der oft totalen Entsprechung, die auf diese Art zustande kommt". Kein Sprecher sollte den Fluss von Musik und Bild beeinflussen und Krupp würde ganz am Anfang als der Ort des Geschehens genannt werden. Die Kosten des Projekts würde man selbst übernehmen. Bei einem Erfolg des Films hätte die Firma einen kostenlosen Werbeeffekt. Nach anfänglichem Zögern stimmte Krupp dem Vorhaben zu und Obscherningkat und Hermann wählten Ende 1959 in Essen aus zehntausenden Metern Schnittresten 6.000 Meter für ihren schließlich 350 Meter langen Film aus.

Äußerste Konzentration: Pressenmaschinist, Schmiedemeister und 1. Schmied. Foto: Historisches Archiv Krupp

Bild und Musik wechselseitig im Takt

Die drei Studien zeigen Arbeitsvorgänge in verschiedenen Werkstätten des Unternehmens. Es geht um den Stahl und seine Verarbeitung bis zum Endprodukt. Zunächst geht es um den Guss, dann um das Schmieden und schließlich um das mechanische Bearbeiten der Werkstücke. Die drei Jazzstücke, die den Bildern hinzugefügt wurden, stammen von Pete Rugolo und Martin Böttche. Es ist konzertanter Jazz mit logischen, prägnanten Strukturen. Mal folgt der Schnitt rhythmisch-synchron dem Takt, mal ist die Bewegung innerhalb des Bildes analog dem Jazzrhythmus. So setzen Obscherningkat und Hermann die Bildfolgen fast wie ein Instrument im Zusammenspiel mit dem Orchester ein.
Das Experiment gelang: Das Werk bekam das Prädikat „besonders wertvoll“ und wurde – teilweise preisgekrönt – auf nationalen und internationalen Festivals gezeigt und auch als Vorfilm im Kino. Bis heute hat der Film nichts von seiner Faszination verloren. Er wird beispielsweise seit Januar 2010 im neu eröffneten Ruhrmuseum auf Zeche Zollverein gezeigt.

Technische Infos

Jahr: 1961
Format: 16 mm
s/w od. Farbe: Farbe
Laufzeit: 20 Minuten
Regie: Herbert Obscherningkat unter Verwendung von Ausschnitten aus dem Material des Films "Krupp heute – Menschen und Werk" von Eduard Wieser
Produzent: Porta-Film GmbH, Hamburg
Auftraggeber: Friedrich Krupp

Kontakt & Infos

Historisches Archiv Krupp
Mark Stagge
Villa Hügel, Hügel 1
45133 Essen
Telefon: +49 (0)201.188-4848
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