Feurige Hochzeit. Eine Sinfonie
in Stahl und Eisen

Mehr als eine gewöhnliche Filmpremiere erlebten die Zuschauer im Gloria-Filmtheater in Rheinhausen am 18. Oktober 1951. Sie sahen den ersten Farbfilm der deutschen Montanindustrie: "Feurige Hochzeit – Eine Sinfonie in Stahl und Eisen". Auftraggeberin war die Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie, deren Hauptgeschäftsführer Wilhelm Salewski auch als Berater entscheidend am Zustandekommen des Films mitwirkte.

Umschmelzung von flüssigem Roheisen zu Stahl im Thomaswerk. Screenshot/Foto: Historisches Archiv Krupp
IndustrieFilm '17 Feurige Hochzeit

Der erste Industriefilm in Farbe

Der erste Farbfilm – und das in einer Zeit, als die Trümmer des Zweiten Weltkriegs noch keineswegs beseitigt waren, als der "Wiederaufbau" erst langsam an Fahrt gewann. In diesen Jahren einen aufwendigen Farbfilm produzieren zu lassen, zeugt vom Ehrgeiz der Wirtschaftsvereinigung und verweist auf die großen Hoffnungen, die man in den Film setzte. Noch ein weiteres Indiz bestätigt dies: Man verpflichtete mit Dr. Ulrich Kayser für die Regie und Hugo O. Schulze für die Kamera zwei höchst renommierte Fachleute. Kayser hatte sich als Dramaturg und Regisseur in der Kultur- und Industriefilmabteilung der Ufa profiliert, und Schulze hatte für so spektakuläre Unterhaltungsproduktionen wie "Der Tiger von Eschnapur" (1937, Regie: Richard Eichberg) hinter der Kamera gestanden. Jetzt gelang es ihm, vielen technischen Widrigkeiten erfolgreich zu trotzen, beispielsweise den enormen Temperaturen am Hochofen oder dem Funkenregen im Stahlwerk.

Hochofenabstich im Hüttenwerk Rheinhausen, 1963. Foto: Historisches Archiv Krupp, Essen
IndustrieFilm '17 Feurige Hochzeit

Zum Film

Die "Feurige Hochzeit" zeigt Aufnahmen aus dem Hüttenwerk Rheinhausen. Zu einem geringeren Teil sind wohl auch Szenen in den Eisenwerken Gelsenkirchen und beim Bochumer Verein gedreht worden. Der Zuschauer erlebt, wie Eisenerz im Hafen ankommt, wie anschließend der Hochofen beschickt und dort Roheisen produziert wird. Die blasenden Konverter im Thomaswerk, wo sich Roheisen in Stahl verwandelt, entfalten "in Farbe" eine grandiose Wirkung.

Screenshot/Foto: Historisches Archiv Krupp
IndustrieFilm '17 Feurige Hochzeit

Weiter geht es: Der flüssige Stahl wird in Blöcke gegossen und im Walzwerk zu Schienen, Draht oder Blech weiterverarbeitet. Andere Szenen zeigen die Herstellung von Stahlrohren und das Erschmelzen von Edelstahl im Elektrostahlwerk. Am Ende sieht der Zuschauer eine Glocke mit der Inschrift "Verleih uns Frieden gnädiglich".

Hier kam das Eisenerz an: Hafenanlage Hüttenwerk Rheinhausen, 1959. Foto: Historisches Archiv Krupp
IndustrieFilm '17 Feurige Hochzeit

Intention des Films

In der "Feurigen Hochzeit" steht das filmische Stilmittel der Glocke mit ihrer Inschrift symbolisch für eine Zukunft der Stahlindustrie, die sich an ideellen Werten orientiert. Industrielle Arbeit soll im Dienst des Friedens stehen. Darin liegt die eigentliche Intention des Films: Die westdeutsche Eisen- und Stahlindustrie wollte einem negativ aufgeladenen Image entgegenwirken. Manche machten sie mitverantwortlich für Krieg und Gewalt, manche assoziierten mit den Arbeitsplätzen im Hüttenwerk lediglich Schmutz und Gefahr.

Die "Feurige Hochzeit" überhöht die Herstellung von Stahl mythisch und ästhetisiert die Arbeitsprozesse. Welcher Zuschauer kann sich der Faszination eines Hochofenabstichs oder eines blasenden Konverters entziehen? Die Presse zeigte sich damals von der "ungeheuren Wucht" der Bilder und der "starken Wirkung" des Streifens begeistert (Neue Ruhr-Zeitung). Auch beim Fachpublikum fand der Film große Beachtung. Er lief 1952 bei dem Internationalen Kultur- und Dokumentarfilm-Kongress in Salzburg und bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes. Die Filmbewertungsstelle der Länder der Bundesrepublik Deutschland verlieh ihm das Prädikat "wertvoll", und am 23. April 1952 erhielt er einen Bundesfilmpreis. Im betrieblichen Alltag sollte er bei festlichen Anlässen, der Eröffnung von Vortragsveranstaltungen oder Freisprechungsfeiern für Lehrlinge gezeigt werden.

Technische Infos

Produktionsjahr: 1951
Format: 35-mm-Lichtton, Farbe
Laufzeit: 11:10 Min.
Auftraggeber: Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie, Düsseldorf
Produktion: Epoche Color-Film AG, Wiesbaden, Frankfurt/Main, Berlin-Steglitz, Düsseldorf-Wittlaer
Drehorte: Rheinhausen, Gelsenkirchen, Bochum
Regie: Dr. Ulrich Kayser
Kamera: Hugo O. Schulze
Mitarbeit: Wilhelm Salewski, Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie
Prädikat: „Wertvoll“ der Filmbewertungsstelle der Länder der Bundesrepublik Deutschland
Auszeichnungen: Deutscher Filmpreis 1952: „Goldene Kassette“ in der Kategorie „besonders wertvoller Kulturfilm“
Uraufführung: 18. Oktober 1951, Gloria-Theater, Rheinhausen
Archiv: Historisches Archiv Krupp, Essen

Kontakt & Infos

Historisches Archiv Krupp
Prof. Dr. Ralf Stremmel
Simone Snyders M. A.
Villa Hügel
Hügel 1
45133 Essen

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