Gespräche und Arbeitsgruppen II

Workshop 3: Wer ist "wir"? Identität und pluralistische Gesellschaft

In vielen Regionen Europas begegnen wir heute neuen Nationalismen und Prozessen von Segregation, in denen die Zugehörigkeit zur Gesellschaft über kulturelle Merkmale konstruiert wird. So soll klar gemacht werden, wer "dazu gehört" und wer nicht. Auch im deutschsprachigen Raum und im immer schon vielfältigen Ruhrgebiet zeugen die Wahlerfolge der Rechtsextremen von einer Polarisierung der Mitte der Gesellschaft. Woher rührt die Angst vor "Überfremdung", wie wird heute das "Eigene" und das "Fremde" konstruiert? Wie können Kunst- und Kulturinstitutionen auf die "Kulturalisierung" von Problemen reagieren, die eigentlich politisiert werden müssten? Im Gespräch beschäftigen sich die Diskutierenden mit diesen Themen und versuchen zu ergründen, wie und in welchen Räumen heute im Ruhrgebiet Zusammengehörigkeit und Distanz, "Heimat" und "Fremde" erlebt wird.

Moderation: Nesrin Tanç

Mit Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan & Guy Dermosessian, KALAKUTA SOUL RECORDS & Veye Tatah, Verlagsleitung AFRICA POSITIVE Magazin & Britta Peters, Künstl. Leiterin Urbane Künste Ruhr & Uri Bülbül, Sprecher des Katakomben-Theaters Essen

Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan. Foto: privat
Uslucan KKR18 WS§

Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan, Dipl. Psychologe, M.A. (geb. 01.01.1965 in Kayseri/Türkei); 1985-1991 Studium der Psychologie an der Freien Universität (FU) Berlin; 1999 Promotion zum Dr. phil. im Fach Psychologie; 2006 Habilitation im Fach Psychologie; 2006-2010 Vertretungsprofessuren für Pädagogische Psychologie sowie für Motivationspsychologie an der Universität Potsdam und an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg (sowie im SoSe 2009 Gastprofessor an der Uni Wien). 2010 Wissenschaftlicher Direktor des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung sowie Professor für Moderne Türkeistudien und Integrationsforschung an der Universität Duisburg-Essen (W 3). 2012 Mitglied im Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration und ab dem 01.10.2015 dessen stellvertretender Vorsitzender.

Guy Dermosessian. Foto: Jeannette Petri
Dermosessian KKR2018

Guy Dermosessian ist DJ, Veranstalter und Betreiber des Musiklabels Kalakuta Soul Records. Mit verschiedenen Veranstaltungen und Formaten des künstlerischen Austauschs und Wissenstransfers – Kalakuta Soul Workshop, Kalakuta Soul presents, Kalakuta Session – bringt er regelmäßig regionale und internationale Musiker/innen und DJs im Ruhrgebiet zusammen und widmet sich der Vielfalt und kulturellen Diversität in den Bereichen der Pop- und Clubkultur. Mit Kalakuta Soul Records veröffentlicht Guy abwechselnd Werke regionaler und internationaler Künstler/innen für den internationalen Markt.
Infos: Kalakuta Soul Records (Facebook)

Veye Tatah. Bildrechte: Tatah
Tatah KKR2018 WS3

Veye Tatah ist Diplominformatikerin und selbstständige Beraterin und Projektmanagerin  im Bereich Informationsmanagement sowie politische und kulturelle Angelegenheiten. Nebenbei ist sie Inhaberin des Catering-Service Kilimanjaro Food. Sie ist Gründerin des Vereins Africa Positive und Chefredakteurin des gleichnamigen Magazins. Für ihr Engagement erhielt sie im Februar 2010 das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Infos: Homepage Tatah, Magazin Africa Positive und Kilimanjaro Food

Britta Peters. Foto: Dirk Hoffmann
Britta Peters. KKR 2018

Britta Peters studierte Kulturwissenschaften in Lüneburg. 2007 kuratierte sie das Kunst im öffentlichen Raum-Projekt "Wilhelmsburger Freitag" in Hamburg und übernahm von 2008 bis 2011 die Leitung des Kunstvereins Harburger Bahnhof. In Zusammenarbeit mit dem Excellenzcluster "Normative Orders" realisierte sie 2012 die Ausstellung "Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen" im Frankfurter Kunstverein, auf die 2014 das Projekt "Krankheit als Metapher. Das Irre im Garten der Arten" an verschiedenen Orten in Hamburg folgte. 2017 war Peters Kuratorin der Skulptur Projekte Münster. Seit Januar 2018 ist sie die künstlerische Leiterin von Urbane Künste Ruhr.

Infos: Krankheit als Metapher, Skulptur Projekte Münster und Urbane Künste Ruhr

Uri Bülbül. Foto: privat
Bülbül KKR 2018

Uri Bülbül (1963 in Ankara geboren); Immigration mit den Eltern 1971 in die Bundesrepublik Deutschland; 1980 bis 1983 Schülersprecher; 1981 bis 1983 Schülervertreter im Landesschulbeirat Baden-Württemberg im Kultusministerium und 1983 Abitur; Studium in Stuttgart, Bonn, Bochum der Germanistik und Philosophie, in Bochum der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften ohne Abschluss; Partei- und hochschulpolitische Aktivitäten u.a. als AStA-Referent für Kritische Wissenschaften; Konzipierte 2011 die KulturAkademie-Ruhr.
Infos: Homepage Bülbül

Nesrin Tanç. Foto: Pascal Bruns
Tanc KKR2018 WS3

Nesrin Tanç, MA. Turkistik/Germanistik. Zuletzt wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Turkistik der Universität Duisburg–Essen. Beauftragt mit der Gründung eines Transnationalen Literaturarchives. Sie promoviert zum Thema "Ordnung der Vielfalt." Ihre Arbeitsschwerpunkte: Interkulturalitätsforschung, Kunstförderung und Kulturpolitik in NRW. Letzte Veröffentlichung: Operation Heimat. In: Neue Theaterstücke zur Gegenwart. transcript Verlag, 2018., S.107-12

Workshop 4: Wem gehört das hier? Institutionen und Deutungshoheit

"Wem gehört die Kunst?" fragten sich Netzwerk X, Urbane Künste Ruhr und Ringlokschuppen Ruhr im gleichnamigen Projekt gemeinsam mit rund 80 freien Künstler/innen, deren prekäre Lebens- und Arbeitsrealität in dem Projekt beleuchtet und problematisiert wurde.
Um zu mehr Mit- und Selbstbestimmung zu gelangen, wurden die Methode der Gemeinsamen Mittelvergabe weiterentwickelt und alternative Fördermodelle diskutiert. Der Grundgedanke dabei ist es, die Antragstellenden selbst zu ermächtigen über die vorhandenen Mittel zu entscheiden, um die allzu oft intransparenten Entscheidungen von sogenannten "Experten-Jurys" durch eine selbstbestimmte, partizipatorische und demokratische Praxis der Mittelvergabe zu ersetzen. Die kulturpolitische Forderung nach einer Basisförderung von Kunst-Kontext-Strukturen — freien Kunstorten und –gruppen — und die Ausarbeitung derselben standen dabei zuletzt im Mittelpunkt des Projekts.

Moderation: Wendpanga Eric Segueda

Mit Jan-Philipp Possmann, Künstl. Leiter und Geschäftsführer Zeitraumexit & Emilia Hagelganz, Künstl. Leiterin Labor für sensorische Angelegenheiten e.V. (Labsa) & Betty Schiel, freie Kuratorin (Labsa) & Projekt "Wem gehört die Kunst?" (Ulrike Günther, freie Regisseurin & Moritz Kotzerke, freier Künstler & Stefan Schroer, Netzwerk X & Sebastian Brohn, Ringlokschuppen Ruhr & Christina Danick, Urbane Künste Ruhr)

Jan-Philipp Possmann. Foto: Torsten Mitsch
Possmann KKR2018 WS4

Jan-Philipp Possmann, Künstl. Leiter und Geschäftsführer, zeitraumexit & Projekt "Wem gehört die Kunst?", ist seit 2005 als Dramaturg und Kurator für internationale Performanceprojekte tätig, darunter mehrere Zusammenarbeiten mit David Weber-Krebs und Wilhelm Groener, sowie als Hausdramaturg der Sophiensäle Berlin und Schauspieldramaturg am Nationaltheater Mannheim. Er kuratierte verschiedene internationale Festivals wie Plateaux (Mousonturm Frankfurt), Internationale Schillertage (Nationaltheater Mannheim) und Supercopy (zeitraumexit Mannheim) und entwickelte und leitete Künstlerresidencen, Ausstellungen und partizipative Projekte in Frankfurt, Stuttgart und Mannheim. Seit 2017 leitet er das internationale Künstlerhaus und soziokulturelle Zentrum zeitraumexit in Mannheim.
Infos: zeitraumexit, artfremd zeitraumexit und Weltkulturenerbe

Emilia Hagelglanz. Foto: Piotr Magdziorz
Hagelglanz KKR2018

Emilia Hagelganz, Mitbegründerin von Labsa (Labor für sensorische Annehmlichkeiten e.V.), wurde 1981 in Nowokusnezk, Russland, geboren. Als freischaffende Schauspielerin und Theatermacherin arbeitet, lebt und angagiert sie sich im Ruhrgebiet mit ihren Projekten für Kunst und Soziales. Unter dem Dach des gemeinnützigen Vereins Labsa gründete sie gemeinsam mit Lena Tempich, Anna Buchta und weiteren Künstler/innen das Transnationale Ensemble Labsa. Das Ensemble widmet sich der Kunst der Mixophilie, jener hoffnungsvollen Entwicklung, die Freude an Vielfalt und Verschiedenheit in den Vordergrund stellt.

Betty Schiel. Foto: privat
Betty Schiel KKR 2018

Betty Schiel, freie Kuratorin (Labsa), geb. 1969, lebt im Ruhrgebiet. Studium der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Romanistik, Germanistik (M.A.). Seit 1996 freiberuflich als Journalistin, Filmemacherin, Filmkuratorin tätig, maßgeblich für das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund | Köln. Programme und Workshops für internationale Festivals und Symposien. Zuletzt u.a. Projektreihe "Kultur@Gefängnis" im Ruhrgebiet, Kuratierung des Länderschwerpunkts "Über Deutschland" beim IFFF in Köln 2018, Filmprogramm "In This Together" über Migration beim Women Make Waves Film Festival Taipeh, sowie dramaturgische Beratung für das Transnationale Ensemble Labsa. Moderation. Projektmanagement. Pressearbeit. Publikationen für Radio und Print. Recherche für Filmproduktionen. Jurytätigkeit u.a. in Tel Aviv, Yerivan, Innsbruck, Prishtina, Seoul, Bozen, Taipeh.

Ulrike Günther. Foto: Katrin Ribbe
Günther KKR2018 WS4
Moritz Kotzerke. Foto: Erik Schmitt
Kotzerke KKR2018 WS4
Stefan Schroer. Foto: Fritz Hemberger
Schroer KKR2018 WS4
Sebastian Brohn. Foto: Björn Stork | polynice
Brohn KKR 2018 WS4
Christina Danick. Foto: Daniel Klemm
Danick KKR 2018 WS4
 

Projekt "Wem gehört die Kunst?"
Ulrike Günther (*1989, Greifswald); 2008-2012 studierte sie Regie am Institut Supérieur des Arts de Spectacle (INSAS) in Brüssel. Anschließend arbeitete sie als Regieassistentin und realisierte eigene Rechercheprojekte in der freien Szene in Deutschland und Belgien. 2015 wurde ihre Performance "Welcome to Europe!" zum Festival Courants d’air nach Brüssel eingeladen. Heute arbeitet sie freischaffend als Regisseurin, u.a. für das Theater Aachen und Theater Oberhausen, und beteiligt sich außerdem an "Wem gehört die Kunst?".
Moritz Kotzerke, studierte Kommunikationsdesign in Düsseldorf und seit 2015 im Heterotopia Graduierten Programm (FudK, Essen). Beschäftigt sich in seiner Arbeit mit der Performanz von Wissen, der Poesie von Forschung und der Gestaltbarkeit von Heterotopien. Arbeitet seit 2015 mit Christian Berens zusammen. Für den Kongress "Wem gehört die Kunst?" entwickelten sie gemeinsam mit Celine Bellut einen Workshop zum Verhältnis von Komplexität und Kunst und waren danach Teil des engeren Arbeitskreises der zweiten Projektphase von "Wem gehört die Kunst?".
Stefan Schroer, Dramaturg; arbeitet seit 2003 als freier Theater- und Projektdramaturg im Ruhrgebiet, u.a. in den Initiativen und Kollektiven Theater Arbeit Duisburg, Lokal Harmonie (DU), kitev (OB), Theorie und Praxis (E), Netzwerk X (Ruhrgebiet).
Infos: Netzwerk X
Sebastian Brohn ist Sozial- und Theaterpädagoge, freischaffender Regisseur und Dramaturg. Er war 1999 Gründungsmitglied der AZ Theatergruppe im Autonomen Zentrum Mülheim. Mit der post-situationistisch inspirierten Konzeptgruppe sous les pavés hat er an den Schnittstellen von Kunst, Pop und Politik operiert. Seit 2008 arbeitet er in Projekten der jungen Performer im Ringlokschuppen Ruhr. 2011 gründete er die Performancegruppe Horror Vacui. Es folgten mehrere Produktionen, die an  öffentlichen Orten und Theatern im Ruhrgebiet und in Berlin gezeigt wurden (u.a. FFT, Ringlokschuppen Ruhr, Theater im Aufbau Haus). Seit 2015 ist er Dramaturg am Ringlokschuppen Ruhr. Für "Wem gehört die Kunst?" arbeitete er konzeptionell, diskursiv und organisatorisch.
Christina Danick
(geb. 1987) studierte Kulturwissenschaften und Kunstgeschichte. Nach der freien Mitarbeit an mehreren  Ausstellungen und Publikationen im Bereich Bildende Kunst und Fotografie arbeit sie seit 2015 als Kuratorische Assistenz bei Urbane Künste Ruhr. Sie wirkte am Projekt "Wem gehört die Kunst?" zunächst als Sprecherin von Urbane Künste Ruhr mit, später als freies Mitglied.
http://www.netzwerk-x.org

Wendpanga Eric Segueda. Foto: privat
Moderator Segueda KKR2018 WS4

Wendpanga Eric Segueda ist derzeit Doktorand an der Goethe-Universität Frankfurt. Nach einem Magister in Germanistik an der Universität Ouagadougou und einem MA in Medien- und Kommunikationswissenschaften der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg arbeitete er als Journalist, Trainer und Researcher für die Deutsche Welle bzw. die Deutsche Welle Akademie. Er arbeitete auch als freiberuflicher PR-Mitarbeiter für ENSA/Engagement Global.
Infos: Segueda bei LinkedIn

Kontakt & Infos

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Kronprinzenstraße 35
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Telefon: +49 (0) 201 / 2069-342
Telefax: +49 (0) 201 / 2069-500

Über uns


Die Kulturkonferenz Ruhr ist Teil der Nachhaltigkeitsvereinbarung zur Kulturhauptstadt RUHR.2010 und bietet der Kulturszene einmal jährlich eine Bühne für den regionalen kulturpolitischen und künstlerischen Diskurs. Sie ist eine gemeinsame Veranstaltung von RVR und dem Land NRW - mit dem Ziel, die im Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010 entwickelten neuen Netzwerke, regionalen Partnerschaften und Kooperationen zu fördern und weiter zu entwickeln.